Kombinationstherapie durch ungleiche Wirkstoffverteilung gefährdet

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Erreichen die Wirkstoffe bei einer Kombinationstherapie nicht alle die gleichen Körperregionen, können Erreger leichter Resistenzen dagegen entwickeln, berechnete ein internationales Forscherteam mit österreichischer Beteiligung. Ihre Ausbreitungsgebiete sollten deshalb möglichst deckungsgleich sein, erklärten die Wissenschaftler in "PNAS".

Krankheitserreger wie HIV, Hepatitis B- und C-Viren oder Tuberkulose-Bakterien können sich im Körper der Betroffenen rasch verändern und schnell gegen einen Wirkstoff resistent werden. Darum verabreichten die Mediziner solchen Patienten mehrere Wirkstoffe als Kombinationstherapie. Trotzdem gibt es vor allem bei langen Behandlungen und chronischen Erkrankungen immer wieder multiresistente Keime, die all diesen Wirkstoffen widerstehen.

"Oft gelangen die einzelnen Wirkstoffe einer Kombination nicht gleichermaßen in alle infizierten Körperbereiche", erklärt Forschungsleiterin Pleuni Pennings von der San Francisco State University (USA). Die Forscher haben ein mathematisches Modell für die Auswirkungen der ungleichen Wirkstoffverteilung entwickelt.. Demnach würde dies den Therapieerfolg dramatisch verringern. Denn es gäbe verschiedene Körperregionen, wo jeweils nur ein Wirkstoff hinkommt, und die Krankheitserreger können sich Schritt für Schritt an die einzelnen Wirkstoffe anpassen.

Sie müssen also nicht die ungleich höhere Hürde überwinden, gegen alle davon gleichzeitig resistent zu werden. In manchen Fällen könnte es sogar besser sein, Bereiche komplett ohne Wirkstoff zuzulassen, als solche mit nur einem Wirkstoff, so Pennings. "Die Ärzte sollten daher sorgfältig prüfen, welche Körperteile jeder Wirkstoff erreichen kann und überlegen, ob nicht eine Kombination vom Medikamenten mit schlechterer, aber sehr ähnlicher Verfügbarkeit im Körper die beste Therapie-Option ist", erklärten die Forscher.

Bei einem Therapieversagen habe man vielleicht zu Unrecht schon öfters den falschen Wirkstoff dafür verantwortlich gemacht, meint Pennings. "Nehmen wir einmal an, Wirkstoff A erreicht nicht das Gehirn, aber Wirkstoff B schon. Wenn man beobachtet, dass die Krankheitserreger gegen Wirkstoff B resistent werden, hält man ihn für das Problem. In Wirklichkeit ist es aber Wirkstoff A, der seinen Job nicht ordentlich macht, weil er nicht ins Gehirn kommt, und man sollte bei ihm ansetzen", erklärte sie.