Kombibehandlung nach Stadium-4-Melanomen erfolgreich erprobt

  • The Lancet

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Nach der erfolgreichen Behandlung von Patienten mit Melanomen des Stadiums 4 ohne erkennbare Resterkrankung kann eine Kombinationstherapie aus Nivolumab plus Ipilimumab das Rückfall-freie Überleben erheblich verbessern. Allerdings ist diese Behandlung für die Mehrzahl der Patienten auch mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden.

Hintergrund

Die Antikörper Nivolumab (Nivo) und Ipilimumab (Ipi) werden häufig in der Therapie von Menschen mit fortgeschrittenen (metastasierten oder nicht-resektablen) Melanomen eingesetzt. Ob sie auch bei Patienten im Stadium IV von Nutzen sind, die nach einer Operation oder Strahlentherapie keine Anzeichen der Krankheit mehr zeigen, ist unklar.

Design

Randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie der Phase 2 mit 167 Patienten an 20 deutschen akademischen Zentren, bei denen nach OP oder Strahlentherapie keine Krankheitszeichen mehr nachweisbar waren. Ausschlusskriterien waren unter anderem eine vorherige Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren oder jegliche immunsuppressive Therapie innerhalb 30 Tagen vor Studienbeginn. Die Randomisierung erfolgte im Verhältnis 1:1:1 auf

  • 1 mg/kg Nivo i.v alle 3 Wochen plus 3 mg/kg Ipi i.v. alle 3 Wochen über 4 Dosen, gefolgt von 3 mg/kg Nivo alle 2 Wochen
  • Nivo Monotherapie 3 mg/kg i.v. alle 2 Wochen plus Placebo
  • Doppeltes Placebo

Ergebnisse

  • Nach einer medianen Nachverfolgungszeit von 28,4 Monaten war der primäre Endpunkt des Rückfall-freien Überlebens in der Kombinationstherapie noch nicht erreicht. Mit Nivolumab alleine betrug es 12,4 Monate, und in der Gruppe mit doppeltem Placebo 6,4 Monate.
  • Die Chancenverhältnisse HR im Vergleich zur Placebo-Gruppe betrugen 0,23 mit der Kombinationstherapie (97,5%-Konfidenzintervall 0,12 – 0,45; p
  • Das Rückfall-freie Überleben unter der Kombinationstherapie betrug nach einem Jahr 75 % und nach 2 Jahren 70 %. Mit Nivolumab alleine waren es 52 bzw 42 %, unter Placebo 32 bzw 14 %.
  • Nebenwirkungen der Schweregrade 3 und 4 traten unter der Kombination bei 71 % der Patienten auf, mit Nivolumab alleine bei 27 %. Wegen Nebenwirkungen mussten 62 % der Patienten unter der Kombination die Behandlung abbrechen, mit Nivolumab alleine waren es 13 %.

Klinische Bedeutung

Die Kombinationstherapie aus Nivolumab und Ipilimumab führte zu einer deutlichen Verlängerung des rückfallfreien Überlebens in dieser Gruppe von Patienten mit „unsichtbaren“ Melanomen. Erkauft wurde dies durch eine Rate an Nebenwirkungen, die nochmals deutlich höher war als jene in Studien mit messbarer Resterkrankung. Kommentator Ryan Joseph Sullivan (Massachusetts General Hospital) spricht von einem „eindrucksvollen“ Ergebnis. Nun komme es darauf an, die Balance zwischen Toxizität und Wirksamkeit zu finden und möglicherweise auch Patienten zu identifizieren, für die eine Monotherapie ausreichend sei.

Finanzierung: Bristol-Myers Squibb.