Koloskopie: Benigne Darmpolypen von Krebsvorstufen mit künstlicher Intelligenz rasch unterscheidbar


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Mit Hilfe eines neu entwickelten Endoskops, das mit einem computergestützten, lernfähigen System verbunden wird, konnten Gastroenterologen aus Japan Krebsvorstufen von gutartigen Darmpolypen mit einer Genauigkeit von 94 % in einer klinischen Studie unterscheiden. Die Kombination von Endoskopie mit künstlicher Intelligenz könnte die Darmkrebsorsorge erheblich verbessern.

Hintergrund

Die Koloskopie ist die effektivste und treffsicherste Methode zur Früherkennung von bösartigen Tumoren im Dick- und Mastdarm. Bei der Vorsorge-Darmspiegelung sucht und entfernt der Arzt alle verdächtigen Wucherungen (Polypen). Doch nicht alle Polypen entwickeln sich zum Malignom. Viele kleinere können harmlos sein, müssen derzeit aber sicherheitshalber trotzdem entfernt werden. In einer klinischen Studie ist die so genannte „optische Biopsie“ evaluiert worden: im Vergleich mit pathologischen Befunden bioptischen Materials.

Design

  • Evaluation der Zuverlässigkeit einer lernfähigen computergestützten endoskopischen Diagnostik (computer aided diagnosis, CAD) zur Unterscheidung von potenziell malignen und nicht-malignen Polypen während der Endoskopie
  • CAD: 500-fache Vergrößerung der Bilder aus dem Darm werden an einen Computer übermittelt, Software prüft auf Basis von 300 Einzelmerkmalen, ob es sich um eine Darmkrebsvorstufe oder einen benignen Polypen handelt, Auswertung in weniger als 1 Sekunde (Echtzeit), akustischer oder optischer Warnhinweis bei Adenom
  • 466 kleinere Polypen von 325 Patienten wurden mit CAD untersucht und mit dem Ergebnis der histologischen Analyse von Biopsaten verglichen („Goldstandard“)
  • Gewebekontrastverstärkung sowohl mit Methylenblau als auch mit „narrow band imaging“ (NBI)

Hauptergebnisse

Bei insgesamt 466 untersuchten Polypen, bei denen bereits ein histologischer Befund vorlag, betrug der negative prädiktive Vorhersagewert in der CAD 93,7 Prozent bei Methylenblau-Färbung der Darmschleimhaut und 95,2 % mit „narrow band imaging“ im Vergleich zum Goldstandard Pathologie. 94 bis 95 von 100 nicht als bösartig klassifizierten Polypen waren also auch tatsächlich nicht maligne.

Klinische Bedeutung

Adenome sind oft flach und in den Falten der Darmwand verborgen, sie können mit den aktuell eingesetzten, hochauflösenden Endoskopie-Geräten übersehen werden“, kommentiert Privatdozentin Dr. med. Andrea Riphaus, Vorsitzende der Sektion Endoskopie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterolgie und Stoffwechselkrankheiten und Chefärztin Innere Medizin II am St. Elisabethen-Krankenhaus Frankfurt. Hier könne die neue Technik die Erkennungsrate im Vergleich zur herkömmlichen Endoskopie verbessern.

Die Software k ann auf Rückmeldungen vom Pathologen angepasst werden und bei Fehlern ihre Algorithmen optimieren . Voraussetzung ist , dass die Rückmeldungen auch erfolgen. „Wenn die Ergebnisse in weiteren Studien bestätigt und noch verbessert werden, könnte die Technik in einigen Jahren im Routinebetrieb eingeführt werden“, so Riphaus. Jährlich erkranken in Deutschland circa 61.000 Menschen an Dar m krebs .

Finanzierung: Öffentliche Fördermittel