Kohortenstudien mit 1,5 Millionen Teilnehmern deuten auf Schutzeffekt von Probiotika gegen Lungenkrebs

  • JAMA Oncology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Analyse von Ernährungsgewohnheiten und Lungenkrebshäufigkeit bei fast 1,5 Millionen Individuen lässt auf einen potenziellen protektiven Effekt von Joghurt und Ballaststoffen schließen. Bei hohem Konsum beider Probiotika war das Lungenkarzinomrisiko um ein Drittel vermindert.

Hintergrund

Der Konsum von Probiotika kann die Zusammensetzung der menschlichen Darmflora verändern und soll dadurch die Gesundheit fördern. Die Assoziation von pflanzlichen Ballaststoffen und Joghurt mit dem Auftreten von Lungenkarzinomen wurde aber bisher noch nicht untersucht.

Design

Analyse der individuellen Daten von 1.445.850 Personen, die in den USA, Europa und Asien an 10 verschiedenen prospektiven Kohortenstudien teilgenommen hatten. Daraus wurde für jede Kohorte separat ebenso wie für alle gemeinsam das Chancenverhältnis bestimmt, an einem Lungenkarzinom zu erkranken und dem – in validierten Instrumenten erhobenen - Konsum an Ballaststoffen und Joghurt gegenübergestellt. Ausgeschlossen waren Personen, die vor Studienbeginn oder in den ersten 2 Jahren danach an Krebs erkrankt waren.

Ergebnisse

  • Unter den Studienteilnehmern waren Frauen leicht in der Überzahl, das Durchschnittsalter betrug 54,8 Jahre, und die mediane Nachverfolgungszeit 8,6 Jahre.
  • Dokumentiert wurden 18.822 Lungenkrebs-Neuerkrankungen. Nach Adjustierung für die Rauchgewohnheiten ergab sich ein inverses Verhältnis zwischen dem Lungenkrebsrisiko und dem Konsum an Ballaststoffen und Joghurt.
  • Bei den Ballaststoffen ergab der Vergleich des Quintils mit dem höchsten Konsum gegenüber demjenigen mit dem niedrigsten Konsum ein Chancenverhältnis HR von 0,83 (95%-Konfidenzintervall 0,76 – 0,91).
  • Studienteilnehmer, die viel Joghurt aßen, hatten gegenüber jenen ohne Joghurtkonsum ein HR von 0,81 (95%-KI 0,76 – 0,87).
  • Menschen, die viel Joghurt aßen und dem Quintil mit der höchsten Aufnahme von Ballaststoffen angehörten, hatten ein um 33 % reduziertes Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken (HR 0,67; 95%-KI 0,61 – 0,73).

Klinische Bedeutung

Die Autoren haben in ihrer Studie mögliche Verzerrungen berücksichtigt - neben dem Rauchverhalten auch den Alkoholkonsum, fettreiche Ernährung, das Gewicht und die körperlichen Aktivitäten. Es verbleibt eine Risikoreduktion von 15 bzw. 19 % für die einzelnen Faktoren bzw. von 33 % für die Kombination, was einen protektiven Effekt der untersuchten Probiotika zwar nicht beweist, aber nahelegt.

Finanzierung: National Institutes of Health, Vanderbilt University Medical Center.