Kognition und Hippocampus-Durchblutung: Doppelt hält nunmal besser

  • BRAIN

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Menschen, deren Hippocampus (bzw. Hippocampi) von zwei Arterien statt von einem Gefäß mit Blut versorgt wird, sind offenbar besser vor kognitiven Einschränkungen geschützt. Dieses Ergebnis aktueller Untersuchungen könnte Ansätze für neue Therapien bei Hippocampus-Schäden liefern, die, wie etwa bei der Alzheimer-Erkrankung, mit eingeschränktem Erinnerungsvermögen und kognitivem Abbau einhergehen. 

Hintergrund

Eine Dysfunktion des Hippocampus ist mit mehreren Erkrankungen assoziiert, darunter zum Beispiel die Alzheimer-Erkrankung. Ein typisches Symptom bei Hippocampus-Schäden sind Gedächtnisstörungen. Aus MRT-Untersuchungen ist außerdem bekannt, dass eine Volumenminderung des Hippocampus oder Atrophie mit kognitiven Leistungsverlusten einhergeht. Eine mögliche Ursache für einen Hippocampus-Schaden ist eine Hypoxie, für die diese Hirnstruktur sehr empfindlich ist. Demzufolge müssten Blutversorgung und Perfusion des Hippocampus eine große Bedeutung haben.

Schon länger bekannt ist, dass der Hippocampus entweder von einer oder von zwei Arterien (Arteria cerebri posterior und Arteria choroidea anterior) versorgt wird. Es kann auch sein, dass nur eines der beiden „Seepferdchen“ doppelt versorgt wird. Das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Warum das so sei, wisse man nicht“, erläutert Studienautorin Professor Stefanie Schreiber vom Deutschen Zentrum für Neuro­degenerative Erkrankungen (DZNE) in Göttingen in einer Mitteilung. Schreiber außerdem: „Vielleicht gibt es dafür eine genetische Veranlagung. Es ist aber auch möglich, dass sich die individuelle Struktur der Blutversorgung durch die Lebensumstände entwickelt. Dann hätte der persönliche Lebensstil Einfluss auf die Blutversorgung des Hippocampus.“ Ein Forscher-Team um Stefanie Schreiber und Prof. Emrah Düzel, die am DZNE und an der Universitätsmedizin Magdeburg arbeiten, hat sich nun genauer mit der Blutversorgung und Perfusion des „Seepferdchens“  befasst. 

Design

Da die Hippocampus-Gefäße sehr klein sind (durchschnittlicher Durchmesser 0,5 mm) untersuchten die Forscher die Blutversorgung des Hippocampus mittels hochauflösender Magnetresonanz-Tomographie (7-Tesla-MRT). An der Studie nahmen 47 Frauen und Männer im Alter von 45 bis 89 Jahren teil. Mit Tests wurden außerdem Gedächtnisleistung, Sprachverständnis und Konzentrationsvermögen erfasst. Von den Studienteilnehmern waren 27 kognitiv unauffällig. Bei den übrigen zwanzig Probanden ergab die bildgebende Diagnostik eine zerebrale Mikroangiopathie. Diese Probanden zeigten ein breites Spektrum an neurologischen Auffälligkeiten, wie etwa leichte kognitive Einschränkungen.

Hauptergebnisse

  • In den Kognitionstests schnitten jene Studienteilnehmer, bei denen mindestens ein Hippocampus zweifach versorgt wurde, generell besser ab. 
  • Die gesunden Probanden erreichten in den Kognitionstests allgemein bessere Ergebnisse als die Studienteilnehmer mit Mikroangiopathie.
  • Von den Probanden mit Mikroangiopathie waren wiederum jene geistig fitter, bei denen mindestens ein „Seepferdchen“ von zwei Blutgefäßen versorgt wurde. 

Klinische Bedeutung

„Unsere Studie zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Blutversorgung des Hippocampus und kognitiver Leistung“, so Schreiber. „Das deutet darauf hin, dass bei nachlassender Gedächtnisleistung, sei es alters- oder krankheitsbedingt, die Hirndurchblutung eine Schlüsselrolle spielen könnte.“  Von Nutzen könnten die Ergebnisse der Studie für die Entwicklung neuer Behandlungsoptionen sein. Schreiber: „Derzeit kann man darüber nur spekulieren, denn wir wissen es nicht, aber möglicherweise hat der Lebensstil einen Einfluss auf die Ausbildung der Blutgefäße, die den Hippocampus versorgen. Das wäre dann ein Faktor, den man beeinflussen kann, und somit ein möglicher Ansatzpunkt für Therapien und auch für Vorsorgemaßnahmen.“

Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung und Deutsche Forschungsgemeinschaft.