Können Nanopartikel die Wirksamkeit einer Strahlentherapie gegen Weichgewebesarkome steigern?

  • Lancet Oncology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der Anteil an Patienten mit Weichgewebesarkomen, die auf eine Strahlentherapie vollständig ansprechen, war unter zusätzlicher Gabe von Hafniumoxid-basierten Nanopartikeln verdoppelt. Ob der weitere Krankheitsverlauf dadurch günstig beeinflusst wird, ist aber offen.

Hintergrund

Die Inzidenz von Weichgewebesarkomen in Deutschland wird auf 6 / 100.000 geschätzt. Sie treffen vorwiegend Kinder, wo sie einen Anteil von 6,5 % aller malignen Tumoren ausmachen. Mittels einer präoperativen Strahlentherapie erreicht man bisher nur bei wenigen Patienten ein vollständiges Ansprechen. Ziel der vorliegenden Studie war es, diese Quote (bei Erwachsenen) mit einer neuartigen Strahlenquelle zu steigern.

Design

Randomisierte, internationale unverblindete Studie der Phase 2/3 (Act.In.Sarc) mit 179 erwachsenen Patienten, die ein Sarkom der Extremitäten oder der Rumpfwand jeglichen histologischen Grades bei einer Lebenserwartung von mindestens 6 Monaten hatten, und die eine präoperative Strahlentherapie benötigten. Sie erhielten diese Strahlentherapie präoperativ entweder alleine (Kontrollgruppe), oder in Kombination mit speziellen, auf Hafniumoxid basierenden Nanopartikeln (NBTXR3), die einmalig in einer fixen Konzentration von 53,3 g/L in den Tumor injiziert wurden, um die Wirkung der Strahlentherapie (25 Gy in 25 Fraktionen) zu verstärken. Primäres Studienziel war der Anteil der Patienten mit einem vollständigen pathologischen Ansprechen.

Ergebnisse

  • Ein vollständiges pathologisches Ansprechen sah man bei 16 % der mit NBTXR3 injizierten Patienten gegenüber 8 % in der Kontrollgruppe. Der Unterscheid war mit p = 0,044 knapp signifikant.
  • Nebenwirkungen der Schweregrade 3 und 4: Postoperative Wundstörungen waren mit 9 % für beide Gruppen am häufigsten. In der NBTXR3-Gruppe waren es Schmerzen an der Injektionsstelle und Hypotonie mit je 4 %, sowie in der NBTXR3-Gruppe mit 6 % und in der Kontrollgruppe mit 4 % die Folgen der Strahlentherapie. Der Anteil schwerer Nebenwirkungen insgesamt betrug 39 % unter NBTXR3, sowie 30 % in der Kontrollgruppe.

Klinische Bedeutung

Die Autoren sehen in ihrer Studie eine Validierung der Wirkweise einer neuen Klasse von „Strahlungsverstärkern“, mit dem sich ein „großes Feld klinischer Anwendungen beim Weichteilsarkom und möglicherweise anderen Krebsarten“ eröffnen würde. Zu beachten ist allerdings, dass die statistische Signifikanz trotz des unverblindeten Designs nur knapp erreicht wurde. Die postoperative Nachverfolgungszeit betrug zwei Jahre während derer kein klarer klinischer Vorteil für die neuartige Intervention zu erkennen ist. So stabilisierte sich die Krankheit nach NBTXR3 bei 83 % und war bei 7 % progredient. In der Kontrollgruppe waren es 80 gegenüber 3 %. Schließlich kam es zu 18 Todesfällen: 10 unter NBTXR3, 8 in der Kontrollgruppe.

Finanzierung: Nanobiotix SA.