Kleinhirnstimulation kann Gang und Balance nach einem Schlaganfall verbessern


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Schlaganfall-Patienten, die drei Wochen lang täglich vor der Physiotherapie zusätzlich eine transkranielle Magnetstimulation des Kleinhirns mit intermittierenden Theta-Bursts bekamen, hatten eine höhere Wahrscheinlichkeit, danach wieder selbstständig zu laufen, als Patienten mit einer Scheinstimulation.

Hintergrund

Gang- und Balancestörungen sind häufige Folgen hemiparetischer Schlaganfälle. Vieles weist darauf hin, dass das Kleinhirn an der funktionellen Neuorganisation motorischer Netzwerke beteiligt ist, sodass man sich von der Stimulation dieser Hirnregion eine verbesserte Rehabilitation erhofft. Dazu wählte man hier eine Variante der transkraniellen Magnetstimulation, bei der intermittierende Theta-Bursts appliziert wurden.

Design

Randomisierte, doppelblinde, durch Scheinstimulation kontrollierte Studie der Phase IIa zur Wirksamkeit und Sicherheit der Kleinhirnstimulation mit intermittierenden Theta-Bursts (iTBS) bei 36 Patienten mit ischämischen Schlaganfällen in der Region der kontralateralen Arteria cerebri. Die Teilnehmer litten an Hemiparesen und wurden aus einer Rehaklinik rekrutiert. Die Stimulation der ipsilateralen Kleinhirn-Hemisphäre erfolgte täglich über 3 Wochen vor der Physiotherapie; primäres Studienziel war die Gruppendifferenz in der Veränderung auf der Berg´schen Balance-Skala (BBS) im Vergleich zum Ausgangswert.

Hauptergebnisse

  • 34 der 36 Patienten beendeten die Studie wie geplant. Sie waren im Mittel 64 Jahre alt, die Mehrheit (21) war männlich.
  • Bei den tatsächlich stimulierten Patienten, nicht aber bei den Scheinstimulierten fand man eine ausgeprägte Verbesserung des BBS von durchschnittlich 34,5 auf 43,4 Punkte nach drei Wochen und auf 47,5 Punkte 3 Wochen nach Abschluss der Therapie (P
  • Im Fugl-Meyer-Test und beim Barthel Index gab es zwar ebenfalls Verbesserungen (163,8 -> 171, 1 -> 173,5 bzw. 71,1 -> 88,8 -> 92,2), diese waren jedoch statistisch nicht signifikant (P > 0,05).
  • Die Schrittweite bei den tatsächlich stimulierten Patienten verkürzte sich im Mittel von 16,8 auf 14,3 Zentimeter, und man beobachtete bei ihnen eine vermehrte neuronale Aktivität über dem hinteren Scheitellappen. Bei den scheinstimulierten Patienten waren diese Parameter unverändert.

Klinische Bedeutung

Die Verbesserung des BBS von 35 auf 47 Punkte ist klinisch signifikant, denn sie markiert den Übergang zur Fähigkeit, ohne fremde Hilfe zu laufen. Außerdem reduziert sich das Sturzrisiko von mittel auf gering, wie andere Studien gezeigt haben. Die Autoren schlussfolgern, die magnetische Hirnstimulation könne eine nicht-invasive und vergleichsweise kostengünstige Methode darstellen, um Geh- und Balancestörungen bei Schlaganfallpatienten zu verbessern. Bei den in der Studie gewählten Parametern erwies sich die Methode als gut verträglich und es gab keine signifikanten Nebenwirkungen. Eine unabhängige Bestätigung des Resultats steht allerdings noch aus.

Finanzierung: Italienisches Gesundheitsministerium.