Kleinere Hippocampus-Volumina bei Kindern aus bereits pränatal dysfunktionalen Familien

  • JAMA Psychiatry

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Pränataler Stress in der Familie ist mit spezifischen Veränderungen des Gehirns bei den Kindern im Alter von ca. 10 Jahren assoziiert, bestätigt eine große Studie aus den Niederlanden. Betroffen ist davon vor allem der Hippocampus.

Hintergrund

Probleme im familiären Zusammenleben sind potente Stressoren, die das kindliche Verhalten und das Wohlbefinden im späteren Leben beeinflussen können. Laut den Autoren der aktuellen Arbeit ist es unklar, ob diese Assoziationen auf Veränderungen im Gehirn zurückgehen und ob diese Veränderungen helfen können, Perioden der Vulnerabilität zu identifizieren.

Design

Multiethnische, populationsbasierte Kohortenstudie in Rotterdam mit den Daten zu 2583 Kindern aus der „Generation R-Studie“, die bereits in utero untersucht und dann bis ins Jugendlichen-Alter verfolgt wurden. Sie erhielten im Alter von 10 Jahren hochauflösende kernspintomographische Aufnahmen des Gehirns; außerdem wurde die Familienfunktion auf einer Unterskala des Family Assessment Device durch Befragung der 2583 Mütter und von 1788 Vätern mehrfach gemessen und emotionale sowie Verhaltens-Probleme der Kinder mit Checklisten erfasst. Berichtet werden die nichtstandardisierten ß-Koeffizienten (B) für statistisch signifikante (P

Ergebnisse

  • Kinder, die pränatal nach Angaben der Mütter schlechten familiären Umständen ausgesetzt waren, hatten in der Präadoleszenz kleinere Volumina des Hippocampus (B = - 0,008; 95%-Konfidenzintervall – 0,13 bis – 0,02) sowie des Hinterhauptlappens (B = - 0,70; 95%-KI – 1,19 bis – 0,21).
  • Hinweise auf einen Zusammenhang mit der Morphologie des Gehirns in der mittleren oder späten Kindheit gab es nicht.
  • Auch nach Adjustierung für kindliche Probleme im Alter von 1,5 Jahren ergab sich ein partieller Zusammenhang zwischen dem Hippocampus-Volumen und pränatal von den Müttern berichteter schlechten Familienfunktion (B = 0,08; 95%-KI 0,03 – 0,13). Dies wurde mehrheitlich durch den mütterlichen Beitrag zur Familienfunktion beeinflusst.

Klinische Bedeutung

Die Hypothese der Autoren wurde erst nach Sammlung der Daten aufgestellt und hatte gelautet, dass ein pränatal schlechtes familiäres Zusammenleben („poor family functioning“) mit kleineren Volumina des Hippocampus und der Amygdala in der späten Kindheit einhergehen würden. Solch einen Zusammenhang hatten bereits zahlreiche Untersuchungen nahegelegt, sodass auch die Bestätigung in einer größeren multiethischen Kohorte keine Überraschung ist, und die Frage nach Interventions- und Präventionsmaßnahmen in den Vordergrund rücken könnte.

Finanzierung: Netherlands Organization for Scientific Research, Consortium on Individual Development, EU, ACTION: Aggression in Children.