Klar verbesserte Versorgung von Gichtpatienten durch maßgeschneiderte Aufklärung in England


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

In Großbritannien ist es gelungen, die Therapietreue und -ergebnisse bei Gichtpatienten mittels einer intensiven Betreuung durch speziell geschulte Krankenschwestern im Vergleich zur Standardversorgung deutlich zu verbessern.

Hintergrund

Nach Schätzungen leiden ca. 1 – 2 % der Erwachsenen in Deutschland unter Gicht. Außer einer gesunden Lebensweise empfiehlt die aktuelle S2e-Leitlinie "Gichtarthritis" eine harnsäuresenkende Therapie, wenn mindestens 1 – 2 Gichtanfälle aufgetreten sind oder bereits eine chronische Arthritis vorliegt. Als problematisch wird in der Leitlinie jedoch die mangelnde Adhärenz der Patienten bezeichnet, die zu therapierefraktären Erkrankungen mit rezidivierenden Anfällen führen kann und eine erhebliche Belastung des Gesundheitssystems darstellt (Im Diskurs). Ähnlich ist die Lage in Großbritannien, was Anlass für die aktuelle Studie war, bei der Krankenschwestern mit der Aufklärung und der Motivation der Patienten betraut wurden.

Design

Speziell für die klinische Forschung ausgebildete Krankenschwestern (Research Nurses) wurden in den besten klinischen Managementpraktiken der Gicht geschult, einschließlich dem Bereitstellen von individualisierten Informationen und dem Engagement der Patienten für gemeinsame Entscheidungsfindungen. Unter den Patienten von 56 Hausarztpraxen wurden per Fragebogen 1071 geeignete Personen identifiziert, von denen schließlich 517 an der Studie teilnahmen. Sie erhielten randomisiert entweder eine persönliche Betreuung mit wiederholten Informationen und Gesprächen zuhause und telefonisch durch eine Study Nurse, oder die übliche Betreuung durch den Hausarzt.

Hauptergebnisse

  • Patienten, die von speziell geschulten Study Nurses betreut wurden, nahmen 96,1 % ihrer Medikamente ein; sie waren damit deutlich therapietreuer als die Kontrollgruppe (56,1 %).
  • Nach 2 Jahren war der Anteil der Patienten mit Harnsäurespiegeln unter 360 µmol/l in der von Krankenschwestern betreuten Gruppe bei 95 % gegenüber 30 % mit der Standardversorgung. Dies entspricht einem Chancenverhältnis RR von 3,18 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 2,42 – 4,18 (p
  • Bei allen sekundären Studienzielen schnitten die Patienten der intensiv betreuten Gruppe ebenfalls besser ab: Sie hatten im 2. Jahr weniger Gichtanfälle, weniger Gichtknoten und eine bessere Lebensqualität.
  • Die Kosten der Intervention nach 2 Jahren wurden mit umgerechnet etwa 5600 Euro (5066 Britische Pfund) pro gewonnenem, qualitäts-adjustiertem Lebensjahr berechnet.

Klinische Bedeutung

Die Zahlen belegen, dass eine Patientenschulung durch speziell qualifizierte Krankenschwestern eine wirksame und kosteneffektive Maßnahme sein kann, um die Therapieadhärenz von Gichtpatienten zu erhöhen und deren Lebensqualität zu verbessern. Eine Übertragung auf die deutschen Verhältnisse ist wegen der unterschiedlichen Strukturen allerdings nicht ohne weiteres möglich. Bedacht werden muss auch, dass von allen Patienten, die für die Studie geeignet waren, nur knapp die Hälfte tatsächlich teilnahm, was auf ein suboptimales Interesse an der eigenen Gesundheit hinweist.

Finanzierung: Arthritis Research UK.