Kinder von Typ-1-Diabetikerinnen häufiger übergewichtig und insulinresistent


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Kinder von Frauen mit Typ-1-Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für Übergewicht und Insulinresistenz.

Hintergrund

Typ-1-Diabetes ist laut Diabetesinformationsdienst München die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter. Das immunologische Geschehen, das der Stoffwechselstörung zu Grunde liegt, basiert auf einer genetischen Veranlagung und wird durch Umweltfaktoren beeinflusst. Insgesamt leiden in Deutschland etwa 0,4 Prozent der Bevölkerung an Typ-1-Diabetes, die Hälfte davon erkrankt bereits im Alter von unter 20 Jahren. In Zahlen bedeutet das, dass geschätzte 31.000 bis 39.000 Menschen davon betroffen sind. Bislang ist bekannt, dass das Risiko für Typ-1-Diabetes bei Kindern von Eltern mit Typ-1-Diabetes weit höher ist als in der Allgemeinbevölkerung. „Zudem gab es vereinzelte Hinweise aus Vorgängerstudien, dass Kinder von Müttern mit Typ-1-Diabetes zusätzlich ein erhöhtes Risiko für das metabolische Syndrom tragen, da die zeitweise hohen Blutzuckerwerte im Mutterleib langfristige Auswirkungen auf den Stoffwechsel und das Körpergewicht der Nachkommen zu haben scheinen“, erklärt Privatdozent Andreas Beyerlein. „Wir wollten diese Diskussion nun auf eine solide Datengrundlage stellen“, so der Statistiker und Epidemiologe weiter, der die Studie gemeinsam mit Professorin Anette-Gabriele Ziegler (Institut für Diabetesforschung des Helmholtz Zentrums) federführend geleitet hat.

Design

Ausgangspunkt der aktuellen Publikation (prospektive Kohortenstudie) waren drei Untersuchungen zu den Entstehungsmechanismen des Typ-1-Diabetes (TEENDIAB, BABYDIAB und BABYDIET). Untersucht wurden die Daten von knapp 2.800 Kindern, die einen erstgradigen Verwandten mit Typ-1-Diabetes hatten. Die Kinder wurden bis zu ihrem 18. Lebensjahr hinsichtlich Stoffwechsel und Körpergewicht untersucht. Berücksichtigt wurden bei einem Teil der Kinder auch Metabolomics-Daten (das Metabolom fasst Stoffwechsel-Eigenschaften eines Gewebes oder Organismus zusammen). Bei den statistischen Berechnungen wurden mögliche Störfaktoren wie sozioökonomischer Status der Mutter oder ein höheres Geburtsgewicht herausgerechnet.

Hauptergebnisse

Kinder, deren Mütter vor der Schwangerschaft an Typ-1-Diabetes erkrankt waren, hatte einen signifikant höheren Body-Mass-Index als Kinder von stoffwechselgesunden Müttern. Auch Werte für Hüftumfang, Nüchternglukosespiegel und Insulinresistenz waren signifikant erhöht, wenn die Mutter Typ-1-Diabetes hatte.

Um herauszufinden, inwiefern die Unterschiede durch grundlegende Änderungen im Stoffwechsel der Kinder verursacht wurden, erhoben die Forscher von Teilnehmern der TEENDIAB-Studie Metabolomics-Daten. Analysiert wurden 441 Metabolite bei 485 Kindern. Tatsächlich konnten die Forscher keine durch mütterlichen Typ-1-Diabetes bedingten signifikanten Veränderungen hinsichtlich der Stoffwechselprodukte und –wege aufdecken. Zwischen dem Typ-1-Diabetes der Mütter und dem Metabolom ihrer Kinder wurde also kein Zusammenhang festgestellt. 

Klinische Bedeutung

„Unsere Studie belegt, dass Kinder von Müttern mit Typ-1-Diabetes nicht nur ein signifikant höheres Risiko für die Krankheit selbst haben, sondern auch für Übergewicht und Insulinresistenz“, fasst Anette-Gabriele Ziegler zusammen. „Daher wäre es ratsam, dass Kinder- und Jugendmediziner diesen Zusammenhang künftig im Kopf haben und frühzeitig auf entsprechende Warnsignale bei den betroffenen Kindern achten.“  

Finanzierung: Kompetenznetz Diabetes mellitus, Bundesministerium für Bildung und Forschung, EU (HORIZON 2020), iMed (Helmholtz Initiative zur Personalisierten Medizin)