Kinder- und Jugendmediziner unterstützen Einführung der Masern-Impfpflicht ab März 2020


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) spricht sich für die Einführung verpflichtender Masern-Impfungen für Kita- und Schulkinder sowie für Personal in Kitas, Schulen und medizinischen Einrichtungen aus. Damit unterstützt der Dachverband den Gesetzesentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, wonach die Impfpflicht ab dem 1. März 2020 erfolgen soll. „Das Allgemeinwohl muss im Zweifel vor dem Selbstbestimmungsrecht stehen. Nur bei einer vollständigen Impfung ist es möglich, Masern in Deutschland dauerhaft auszurotten“, sagte Prof. Huppertz, Generalsekretär der DAKJ.

Im Fokus: Geburtenjahrgänge nach 1970

Die deutschen Kinder- und Jugendärzte fordern, dass alle Kinder so früh wie möglich, spätestens aber am Ende des zweiten Lebensjahres gegen Masern zweimal geimpft sind. Mit dem Verweis auf die letzte große Masernepidemie in Berlin im Jahr 2015 sei es aus epidemiologischer Sicht jedoch noch wichtiger, dass Jugendliche und junge Erwachsene, die nach 1970 geboren sind und keinen ausreichenden Masernimpfschutz haben, in das Impfprogramm aufgenommen werden, heißt es in einer aktuellen Mitteilung des Dachverbandes.

DAKJ fordert Impfpflicht für weitere Infektionskrankheiten

Grund zur Sorge bereitet der DAKJ ebenfalls die jüngste Entwicklung der Durchimpfungsraten der Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis und Poliomyelitis: Für diese Impfungen haben laut Dachverband die Impfquoten bei Schulanfängern bisher zwar nur in geringem Maße, dafür aber bereits im dritten Jahr in Folge abgenommen. Die Daten zeigen, dass gemeinsame Anstrengungen aller am Impfsystem beteiligten Akteure notwendig sind, um hohe Impfquoten für alle von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen zu erreichen und zu halten. Gesetzliche Regelungen, die alleine auf Verbesserungen beim Masernschutz abzielen, greifen nach Ansicht des DAKJ damit aller Voraussicht nach zu kurz und könnten sich in Bezug auf andere Krankheiten schlimmstenfalls sogar als kontraproduktiv erweisen.

Schlechte Durchimpfungsraten auf vereinzelte Praxen zurückzuführen

„Die Impfpflicht richtet sich aus unserer Sicht weniger gegen Eltern als vielmehr gegen Ärzte, die nicht impfen und impfskeptischen Eltern Rückendeckung geben, ohne dass dafür medizinische Indikationen vorliegen“, sagt Huppertz und moniert, dass nach aktuellen Studiendaten schlechte Durchimpfungsraten nicht selten auf einige wenige Praxen zurückzuführen seien, die ihre Patienten nicht impfen. Alle Ärzte in Deutschland sollten laut der DAKJ hinreichend effektive Recall-Systeme haben, die den Arzt auf fehlende (Folge-) Impfungen automatisch aufmerksam machen. Die DAKJ spricht sich außerdem dafür aus, dass in Zukunft alle Ärzte mit Approbation impfen dürfen.