Kinder und Jugendärzte gegen Zwangstests zur Altersbestimmung von Flüchtlingen


  • Susanne Kressenstein
  • Medizinische Nachrichten
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Verpflichtende Röntgenuntersuchungen zur Altersbestimmung von jungen Flüchtlingen halten die Vertreter der Kinder- und Jugendärzte für keine gute Idee. Die Kollegen wehren sich gegen Forderungen nach diesen verpflichtenden Untersuchungen. „Ein solches Vorgehen ist medizinisch schwierig und organisatorisch kaum zu bewältigen“ so der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) Dr. Thomas Fischbach, Solingen gegenüber der Osnabrücker Zeitung.

Bei der Röntgenuntersuchung von Handknochen sei eine entwicklungsabhängige Spanne von etwa zwei Jahren in beide Richtungen zu berücksichtigen. Zudem müsse in Grenzfällen neben der Radiologie auch eine entwicklungspsychologische Einschätzung erfolgen, so Fischbach weiter. In einigen Fällen müsse hierzu ein Dolmetscher herangezogen werden.

„Als niedergelassene Ärzte sind wir froh, wenn wir unsere regulären Patienten versorgt bekommen“, verwies Fischbach auf den damit verbundenen Aufwand. „Wir wollen nicht noch weitere Aufgaben in staatlicher Verantwortung übernehmen müssen, die außer­halb unserer Zuständigkeit liegen.“

Rein rechtlich hält der BVKJ Pflichttests allerdings für möglich. Wenn es ein hinreichen­des Interesse des Staates etwa zur Strafverfolgung gebe, ließe sich eine verpflichtende Untersuchung „gesetzlich fraglos regeln“, sagte der Verbandspräsident. Für ein entspre­chendes Vorgehen gebe es durchaus Beispiele.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte dafür plädiert, unter Umständen ärztliche Untersuchungen vorzunehmen, wenn kein offizielles Personaldokument vorliegt. Dafür solle das Sozialgesetzbuch geändert werden. Der Präsident der Bundesärztekammer Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, hatte dies dagegen abgelehnt und als „Eingriff in das Menschenwohl“ bezeichnet.