Kinder mit Hypercholesterinämie: Langzeit-Studie zeigt Nutzen der Statin-Therapie

  • New England Journal of Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Auch bei Kindern mit familiärer Hypercholesterinämie (FH) ist eine Statin-Therapie indiziert: Eine früh begonnene lipidsenkende Behandlung kann, wie eine Langzeit-Studie zeigt, das Voranschreiten der Atherosklerose signifikant verlangsamen.

Hintergrund

Dass Statine bei Kindern mit erhöhten LDL-Cholesterin-Werten senken können, ist durch Studien belegt. In Leitlinien wird auch empfohlen, diese jungen Patienten mit Lipidsenkern zu behandeln. Nicht ausreichend klar war bislang allerdings, ob die Lipidsenker langfristig die Pathogenese der Atheriosklerose beeinflussen und so vor kardiovaskulären Komplikationen schützen können.  . 

Design

Prospektive Kohortenstudie mit 20-jähriger Beobachtungsdauer und 214 Kindern mit familiärer Hypercholesterinämie, die davor an einer zweijährigen Placebo-kontrollierten Studie teilgenommen hatten, in der die Effektivität und die Sicherheit von Pravastatin geprüft worden war. Nach dieser kontrollierten Phase erhielten alle Patienten den Lipidsenker. Zudem wurden zur Kontrolle 95 Geschwister ohne Hypercholesterinämie in die Langzeit-Studie aufgenommen. Außer Laborwerten bestimmten die Autoren die Intima-Media-Dicke der Karotis. Darüber hinaus wurde die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse bei den Patienten mit der bei ihren Eltern mit Hypercholesterinämie (n = 156) verglichen. 

Hauptergebnisse

  • 184 Patienten und 77 Geschwister kamen zur Nachuntersuchung. Daten zu kardiovaskulären Ereignissen und zu kardiovaskulären Todesfällen lagen für 203 und 204 der 214 Patienten vor.  
  • Zu Beginn der Studie waren die Teilnehmer im Schnitt 13 Jahre alt, bei der Nachuntersuchung 32 Jahre. Fast 80 Prozent der Patienten mit FH nahmen zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung noch ihr Statin. Die Kinder mit FH hatten zu Beginn einen LDL-C-Wert von 237 mg/dl, bei der Nachuntersuchung einen Wert von 161 mg/dl. Ihre Geschwister ohne FH hatten Werte von 99 und 122 mg/dl. Der mittlere LDL-C-Wert sank bei den Patienten demnach um 32 Prozent  von 237,3 auf 160,7 mg/dl (6,13 - 4,16 mmol/l). 
  • Den Zielwert des LDL-Cholesterins von unter 100 mg/dl erreichten 20 Prozent der Patienten (n = 37). 
  • Zu Beginn der Studie hatten die Kinder mit FH eine deutlich größere Intima-Media-Dicke als ihre nicht betroffenen Geschwister (0,446 versus 0,439 mm). 20 Jahre später gab es keine signifikanten Unterschiede mehr (0,555 versus 0,551 mm).
  • Die Intima-Media-Dicke nahm bei den Patienten mit FH im Mittel um 0,0056 mm pro Jahr zu, bei den Geschwistern um 0,0057 mm.
  • Die kumulative Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse und Todesfälle war bei den Patienten im Alter von 39 Jahren geringer als bei ihren ebenfalls an Hypercholesterinämie erkrankten Eltern (1% versus 26% und 0% versus 7%). 

Klinische Bedeutung

Die Daten bestätigen die Resultate retrospektiver Studien und sprechen den Autoren zufolge für eine möglichst frühe Statin-Therapie bei Kindern mit FH. Die Autoren weisen allerdings auch auf die so genanten Limitierungen der Studie hin. So dürften die differierenden Ergebnisse zu den kardiovaskulären Komplikationen bei den Kindern und ihren Eltern nicht allein mit der Statin-Therapie erklärt werden; möglicherweise habe hierbei auch eine im Laufe der Jahre verbesserte medizinische Versorgung eine Rolle gespielt. 

Finanzierung: AMC Foundation