Kinder aus Teenager-Schwangerschaften haben ein erhöhtes Suizidrisiko


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Eine schwierige soziale Situation um den Zeitpunkt der Geburt korreliert mit dem späteren Suizidrisiko. Am stärksten erhöht ist dieses Risiko für die Kinder von Teenagern und alleinstehenden Müttern.

Hintergrund

Widrige prä- und perinatale Umstände tragen womöglich zum Suizid-Risiko im späteren Leben bei. Die Beweise für diese Hypothese sind jedoch nach Angaben der Autoren rar und widersprüchlich. Sie haben deshalb die Evidenz mittels einer systematischen Übersicht und einer Meta-Analyse der vorhandenen Studien aufbereitet.

Design

Literatursuche in 3 Datenbanken nach Populations-basierten, prospektiven, englischsprachigen Studien, die in Fachzeitschriften mit Peer-Review veröffentlicht wurden und die Assoziation prä- und perinataler Faktoren mit dem späteren Suizidrisiko untersucht haben. Gegenüberstellung der Zahl von Betroffenen und Nicht-Betroffenen für jeden Risikofaktor und Berechnung der Chancenverhältnisse (OR).

Ergebnisse

  • 42 Studien mit einem niedrigen Risiko für Verzerrungen (Bias) konnten für die Analyse genutzt werden.
  • Die folgenden Faktoren waren mit einem erhöhten Suizidrisiko assoziiert:
    • Mutter war noch Teenager: OR 1,80 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 1,52 – 2,14.
    • Mutter lebte allein: OR 1,57; 95%-KI 1,31 – 1,89)
    • In der Reihenfolge der Geschwister spät geboren (z.B. 4. Kind versus 1. Kind): OR 1,51; 95%-KI 1,21 – 1,88)
    • niedriger Bildungsstand des Vaters: OR 1,38; 95%-KI 1,27 – 1,51
    • niedriger Bildungsstand der Mutter: OR 1,36; 95%-KI 1,28 – 1,46
    • niedriges Geburtsgewicht: OR 1,30; 95%-KI 1,09 – 1,55
    • geringe Größe bezüglich des Schwangerschaftsalters: OR 1,18; 95%-KI 1,00 – 1,40
  • Keine Assoziation gab es mit dem Alter des Vaters, niedrigem Gestationsalter, Kaiserschnitt oder anderen obstetrischen Charakteristika, und Umständen der Schwangerschaft wie Raucherstatus der Mutter oder Bluthochdruck.
  • Die Assoziationen für Suizid-Versuche und -Gedanken waren ähnlich wie die für vollzogene Suizide, jedoch beruhen diese Ergebnisse auf einer kleineren Zahl von Studien.

Klinische Bedeutung

Die Studie „legt nahe“, so die Autoren, dass pränatale und perinatale Charakteristika mit dem Suizid-Risiko im späteren Leben zusammenhängen. Dies unterstütze die Hypothese, dass Gesundheit und Krankheit durch die Entwicklung des Embryos bzw. Babys beeinflusst würden. Dies ist plausibel und die genannten Risikofaktoren sind keine Überraschung. Ob diese Erkenntnisse auch geeignet sind, Präventions- und Interventionsprogramme zu verbessern, sollte in prospektiven Studien geklärt werden.

Finanzierung: Horizon 2020 (EU).