KIiGGS-Studie: Jedes 5. Kind zeigt Symptome einer Essstörung

  • Bundesgesundheitsblatt

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Rund 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland zeigen Symptome einer Essstörung. Dies ist eines der Ergebnisse der zweiten Folgeerhebung der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2), die kürzlich im Bundesgesundheitsblatt veröffentlicht wurde. Damit ist der Anteil Heranwachsender mit Essstörungssymptomen binnen zehn Jahren um 2,8 Prozentpunkte zurückgegangen.

Dieser Rückgang betrifft laut Bericht insbesondere die 11- bis 13-jährigen Jungen, während das Risiko bei 14- bis 17- Jährigen und insbesondere bei Mädchen im Vergleich zur ersten Folgeerhebung (KiGGS Welle 1) konstant blieb. Mit 27,9 Prozent ist das weibliche Geschlecht jedoch insgesamt deutlich häufiger für die Entwicklung einer Essstörung prädisponiert als Jungen und männliche Jugendliche (12,1%).

Risikofaktoren: Geringe Bildung, emotionale Probleme und Körperunzufriedenheit

Deutliche Unterschiede in der Häufigkeit von Essstörungssymptomen zeigen sich laut Gesundheitsmonitoring ebenfalls in Abhängigkeit von Bildungsstatus und Migrationshintergrund: Kinder und Jugendliche mit niedrigem Bildungsstatus sowie Migrationshintergrund sind häufiger betroffen als Heranwachsende mit moderatem oder hohem Bildungsstatus sowie nicht vorhandenem Migrationshintergrund, berichten die Wissenschaftler.

Wie aus den Studienergebnissen weiter hervorgeht, haben Kinder und Jugendliche mit emotionalen Problemen – dazu zählen depressive Symptome, Ängste und körperliche Beschwerden – sowie einem niedrigen familiären Zusammenhalt, ein erhöhtes Risiko für Essstörungssymptome. Ebenfalls als kritisch galt, wenn sich die Jugendlichen als viel zu dick oder viel zu dünn empfanden. "Körperunzufriedenheit ist, gerade vor dem Hintergrund der körperlichen Veränderungen in der Pubertät, ein wesentlicher Risikofaktor für die Entwicklung von Essstörungen, insbesondere bei Mädchen", berichten die Wissenschaftler.

Soziale Medien im Fokus

„Trotz des gefundenen Rückgangs ist die Prävalenz von Kindern und Jugendlichen mit Essstörungssymptomen in der deutschen Bevölkerung immer noch als hoch zu bewerten“, so das Fazit des Surveys. Da vor allem Facebook & Co ein Risikopotential für die Entwicklung von Essstörungen bergen und ihre Nutzung unter Kindern und Jugendlichen deutlich zugenommen hat, sollte sich laut Bericht zukünftige Präventionsstrategien verstärkt auf die sozialen Medien ausrichten.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit untersucht das Robert Koch-Institut (RKI) seit 2003 regelmäßig die gesundheitliche Situation der in Deutschland lebenden Kinder und Jugendlichen. Zwischen 2014 und August 2017 fand die zweite Folgeerhebung (KiGGS Welle 2) statt, an der laut RKI mehrere Tausend Kinder und Jugendliche aus 167 Städten und Gemeinden in Deutschland teilnahmen.