Keuchhusten-Vakzine: Zwei Drittel der komplett geimpften Kinder bleiben 5 Jahre geschützt

  • JAMA Pediatrics

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Azelluläre Impfstoffe gegen Bordetella pertussis schützen Kinder im Alter zwischen 5 und 9 Jahren zu mindestens 75 Prozent vor Keuchhusten. 65 Prozent bleiben für mindestens 5 Jahre immun. Die Effektivität der Vakzine ist damit nach Einschätzung der Studienautoren nicht perfekt, aber die Impfung ist wirksam . Sie verringere  auch d ie Übertragung shäufigkeit des Erregers, so die Forscher. Damit schützt die Impfung nicht nur den Einzelnen vor einer klinischen Manifestation, es lässt sich auch eine gewisse Herdenimmunität erzielen, die für alle Altersgruppen wichtig ist.

Hintergrund

In vielen westlichen Ländern werden trotz teilweise hoher Impfquoten weiterhin zyklische Anstiege von Pertussis i n Abst änden von 4 bis 6 Jahren beobachtet. So sind zum Beispiel in Deutschland im vorvergangenen Jahr 16.834 Pertussis-Fälle gemeldet worden, ein deutlicher Anstieg zum Jahr 2016. Und 26 Prozent der zwischen 2001 und 2017 gemeldeten Erkrankungen in Deutschland entfielen auf Kinder bis 14 Jahre, obwohl die Impfquoten mit circa 95 Prozent bei Kindern im Schulalter hoch sind (1). Deshalb werden die Impfstrategien gegen Pertussis kritisch diskutiert. Eine Frage ist, ob die Impfungen in erster Linie Vorteile für den Impfling selbst haben und Krankheitssymptome mildern oder verhinder n, oder ob sie auch populationswirksam sind und Übertragungsrate n innerhalb von Kontaktgruppen reduzieren . Mit einem mathematische n Modell, das auf Basis von empirischen Daten zu Inzidenzen und Impfquoten in verschiedenen Altersgruppen entwickelt wurde, haben US-amerikanische Forscher die Schutzwirkung der Impfung, ihr Nachlassen mit der Zeit und die Bedeutung für die Inzidenz von Pertussis-Erkrankungen neu beschrieben (2).

Design

  •  mathematisches Modell, evaluiert auf Basis von empirischen Daten zu Inzidenzen und Impfquoten in 5 Kohorten verschiedener Altersgruppen (Kinder zwischen 5 und 9 Jahren in den USA)
  • Impfungen waren mit TDaP-Impfstoffen erfolgt, wie sie auch in Deutschland verwendet werden (Kombinationsvakzine Tetanus, Diphtherie, azelluläre Pertussis-Antigene)

Hauptergebnisse

Der Schutzeffekt von TDaP-Impfstoffen gegen Pertussis nimmt jährlich um circa 33 Relativprozent nach Abschluss der kompletten Impfung ab. Kinder im Alter zwischen 5 bis 9 Jahren sind bei kompletter Immunisierung zu mindestens 75 Prozent geschützt, und bei mindestens 65 Prozent der komplett Geimpften hält der Schutzeffekt für 5 Jahre. Die Ergebnisse der Studie weisen auch daraufhin, dass sich durch die Impfung eine gewisse Herdenimmunität erzeugen lässt. Azelluläre Pertussisvakzine seien nicht perfekt und hätten vermutlich eine geringere Schutzwirkung als die früher verwendeten Vakzine aus ganzen Zellen von B. pertussis, so die Forscher. Die früheren Vakzine hatten aber teilweise mehr Nebenwirkungen.

Klinische Bedeutung

Eine komplette Prophylaxe von B.-pertussis-Infektionen und die Eradikation des Erregers werden auch künftig mit azellulären Impfstoffen (Untereinheiten-Impfstoffe) nicht möglich sein. B. pertussis ist hoch kontagiös, Biologie und Entwicklung von Immunreaktionen sind nicht vollkommen geklärt: weder auf die natürlichen Erreger, noch auf die Impfstoffe. Wegen der begrenzten Dauer der Immunität kann sich jede Person mehrmals im Leben neu infizieren und erkranken. Das Ziel der Impfung, das Risiko vor allem für gefährdete Personengruppen wie Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen zu reduzieren, bleibt den Ergebnissen der Studie zufolge sinnvoll und erreichbar. An Impfungen zu erinnern, sei vor allem Aufgabe der Kinder- und Hausärzte.

Finanzierung: Öffentliche Mittel