Keine Studien zum Nutzen von Ultraschall in der Brustkrebsfrüherkennung


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Der Informationsdienst der gesetzlichen Kranklenkassen „IGeL-Monitor“ hat nach Studien gesucht, die Nutzen und Schaden der Sonographie bei der Brustkrebsvorsorge untersuchen. Da es keine aussagekräftigen Untersuchungen gibt, müssen gesetzlich versicherte Frauen die Untersuchung im Zweifel wohl weiterhin selbst bezahlen.  

Hintergrund

Für sogenannte Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) müssen die gesetzlichen Krankenkassen nicht zahlen, zum Beispiel weil der Gemeinsame Bundesausschuss keinen ausreichenden Nutzen sieht. Dazu gehören in Deutschland routinemäßige Ultraschalluntersuchungen in der Brustkrebsdiagnostik, die aber von vielen Praxen aktiv beworben werden. Während in Österreich die Sonographie Teil des regulären Screeningprogrammes ist, sehen deutsche Fachgesellschaften in ihren Leitlinien ebenso wie der Krebsinformationsdienst die Sonographie lediglich als eine (mögliche) Ergänzung der Vorsorge.

Design

Die von den gesetzlichen Krankenkassen finanzierte Informationsplattform „IGeL-Monitor“ hat sich mit der Beweislage zum Nutzen routinemäßiger Ultraschalluntersuchungen in der Brustkrebsvorsorge beschäftigt. Dazu suchten sie nach Studien zu Nutzen und möglichen Schäden der Maßnahme bei Frauen ohne erhöhtes Brustkrebsrisiko.

Hauptergebnisse

  • Nach einer erneuten Sichtung der Literatur bleibt die Einschätzung des IGeL-Monitors unverändert, wonach Nutzen und mögliche Schäden einer Ultraschalluntersuchung im Rahmen einer individuellen Gesundheitsleistung als Ergänzung oder Alternative zum Screening „unklar“ sind.
  • Diese Bewertung gilt für Frauen ab 40 Jahren, die kein erhöhtes Brustkrebs-Risiko haben.
  • Zur Nutzenbewertung fand man 5 Übersichtsarbeiten, die jedoch selbst keine entsprechenden Studien benannten.
  • Zwar habe es Hinweise aus Studien an Frauen mit hoher Brustdichte gegeben, dass mehr Tumore gefunden werden, „aber ob das Frauen vor dem Brustkrebstod bewahren kann, ist damit nicht geklärt.“
  • Zur Bewertung eines möglichen Schadens durch die Ultraschalluntersuchung fand man ebenfalls keine Früherkennungsstudien. „Allgemeine Überlegungen“ dazu ließen zwar keine direkten Schäden erwarten, dafür aber Überdiagnosen und Übertherapien, wenn Tumore gefunden und behandelt werden, die ohne Untersuchung nie auffällig geworden wären. Ob eine eventuelle Verringerung der Röntgenbelastung ins Gewicht fällt, sei unklar.

Klinische Bedeutung

Eine Ultraschalluntersuchung der Brust, die als IGeL-Leistung abgerechnet wird, kostet inklusive Beratung zwischen 26 und 60 Euro. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) forderte zuletzt im Mai 2018 den standardmäßigen Einsatz des Verfahrens und die Erstattung durch die Kassen mit der Behauptung, damit könnten bis zu 45 Prozent mehr invasive Karzinome gefunden werden. Darauf Bezug nehmend urteilt der IGeL-Monitor: „Indem die DEGUM nur den möglichen Nutzen betont, mögliche Schäden durch Fehlalarme und Überdiagnosen aber nicht berücksichtigt, geht sie mit ihrer Forderung weit über die Empfehlung der Leitlinie hinaus.“ Dass noch immer keine aussagekräftigen Studien zu dieser für Frauen überaus wichtigen Frage vorliegen, ist für alle Beteiligten gleichermaßen beschämend.

Finanzierung: Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung.