Keine Entwarnung für Raucher: Sterblichkeit durch leichte Zigaretten so stark erhöht wie bei regulären

  • JAMA Intern Med

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Raucher, die so genannte leichte oder ultraleichte Zigaretten kaufen, weil sie glauben, dadurch die gesundheitlichen Risiken im Vergleich zu regulären Filterzigaretten zu verringern, liegen falsch. Die Inzidenz von Bronchialkarzinomen ist bei Rauchern im Vergleich zu Nicht-Rauchern erheblich erhöht und unterscheidet sich bei den verschiedenen Typen von Filterzigaretten kaum. Auch die Sterblichkeit ist bei den unterschiedlichen Filterzigarettentypen ähnlich. Höher sind die Risiken nur bei filterlosen Zigaretten verglichen mit Filterzigaretten.

Hintergrund
Rauchen ist zu circa 85 % die Ursache für Lungenkarzinome und die Prognose ist mit einem 5-Jahres-Überleben von 18-20 % im Allgemeinen ungünstig. Die Bezeichnung von Filterzigaretten als „leicht“ oder „ultraleicht“ lässt viele Raucher vermuten, sie nähmen beim Rauchen weniger gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe auf und reduzierten damit ihre Risiken. In einer Sekundäranalyse der US-amerikanischen Studie National Lung Screening Trial haben Forscher die Frage untersucht, ob es Unterschiede bei den Risiken der verschiedenen Zigarettentypen gibt.

Design

  • Analyse der Daten von 14.123 Teilnehmern eines Lungenkrebs-Screenings in den USA, die detailliert nach ihren Rauchergeowhnheiten befragt worden waren
  • Parameter der Analyse:
    • Alter,
    • Geschlecht,
    • ärztliche Diagnosen,
    • Raucherstatus,
    • Menge und Typ der gerauchten Zigaretten,
    • Lungenkrebsinzidenz- und -sterblichkeit,
    • Gesamtmortalität.

Hauptergebnisse
Von 14.123 Teilnehmern rauchten 50 % noch immer, und zwar durchschnittlich 60 Packungen pro Jahr. 88 % rauchten Filterzigaretten, und davon die Hälfte solche mit der Bezeichnung „light“ oder „ultralight“. Nach Adjustierung der Lungenkrebshäufigkeit um relevante Einflussfaktoren ergab sich eine um fast 40 % höhere Wahrscheinlichkeit, durch filterlose Zigaretten an einem Bronchialkarzinom zu erkranken, als bei Filterzigaretten (Hazard Ratio [HR]: 1,37; p = 0,005).

Die Lungenkrebssterblichkeit war bei Rauchern von filterlosen Zigaretten sogar verdoppelt im Vergleich zu Rauchern von Filterzigaretten (HR: 1,96; p

Kaum Unterschiede gab es zwischen den verschiedenen Typen von Filterzigaretten. Die Lungenkrebsinzidenz war in der Gruppe, die leichte oder ultraleichte Zigaretten rauchte, nur unwesentlich niedriger als bei Rauchern regulärer Filterzigaretten (3,7 % vs. 4,5 %). Auch Mentholzigaretten waren nicht schonener: Die Lungenkrebsinzidenz betrug 3,9 % bei mentholhaltigen Zigaretten und 4,2 % bei nicht-mentholhaltigen Filterzigaretten.

Bei der Gesamtmortalität fanden sich ebenfalls relevante Unterschiede nur zwischen filterhaltigen und filterlosen Zigaretten: Sie war um 28 % erhöht bei Rauchern von Zigaretten ohne Filter im Vergleich zu Rauchern von Filterzigaretten (p = 0,03). Bei den verschiedenen Typen von Filterzigaretten aber gab es keine signifikanten Unterschiede mehr.

Klinische Bedeutung
Die Studie bestätigt die hohen gesundheitsschädigenden Effekte des Rauchens. Bei filterlosen Zigaretten sind diese noch stärker als bei Filterzigaretten, und diese Rauchergruppe sollte besonders intensiv von Ärzten zur Entwöhnung motiviert werden, so die Autoren. Die Vorstellung, mit leichten oder ultraleichten Zigaretten das Risiko von Filterzigaretten reduzieren zu können, sei falsch und sollte von Ärzten in Gesprächen mit ihren Patienten korrigiert werden.

Finanzierung: keine Angaben