Keine Einsparung von Antibiotika an US-Kliniken mit Procalcitonin-Test


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Gut geschulte Klinikärzte verschreiben nicht weniger Antibiotika, wenn sie die Procalcitonin-Werte ihrer Patienten kennen; diese Information hatte an US-Kliniken auch keinen Einfluss auf die Rate negativer Ereignisse.

Hintergrund

Die Überwachung der Procalcitonin-Werte ist eine der Möglichkeiten, um die Beteiligung von Bakterien an Infektionen der unteren Atemwege nachzuweisen. Unklar ist allerdings bislang die Auswirkung dieser Maßnahme auf den Verbrauch von Antibiotika.

Design

Kliniker in 14 US-Hospitälern, die qualitätssichernde Maßnahmen für die Behandlung von Pneumonien befolgten, wurden von den Autoren hinsichtlich der Umsetzung nationaler Richtlinien zur Behandlung von unteren Atemwegsinfektionen und zur Interpretation von Procalcitonin-Tests (PCT) versorgt. Anschließend wurden Patienten, die von ihren Ärzten wegen des Verdachts auf eine untere Atemwegsinfektion überwiesen wurden, randomisiert. Die behandelnden Ärzte der Interventionsgruppe wurden initial und bei notwendiger Hospitalisierung fortwährend über die Procalcitonin-Werte unterrichtet und erhielten außerdem gemäß der Werte abgestufte Empfehlungen zum Antibiotika-Gebrauch. Die Vergleichsgruppe erhielt dagegen lediglich die üblichen diagnostischen und medizinischen Maßnahmen.

Hauptergebnisse

  • Von 1656 auswertbaren Patienten wurden 782 hospitalisiert, 984 erhielten innerhalb der ersten 30 Tage Antibiotika.
  • Aus der Procalcitonin-Gruppe erhielt der behandelnde Arzt die Messwerte von 95,9 % der Patienten, median nach 77 Minuten. In der Kontrollgruppe waren 2,2 % der Patienten getestet worden.
  • Die Interventionsgruppe erhielt durchschnittlich 4,2 Tage lang Antibiotika – praktisch ebenso lange wie die Kontrollgruppe mit 4,3 Tagen.
  • Eines der präspezifizierten negativen Ergebnisse (z.B. Tod, Intubation, Nierenversagen, Lungenabszess) erlitten binnen 30 Tagen 11,7 % in der Procalcitonin-Gruppe, gegenüber 13,1 % in der Vergleichsgruppe – auch dies war kein signifikanter Unterschied (P

Klinische Bedeutung

Das Ziel, die unnötige Verordnung von Antibiotika bei Infektionen der unteren Atemwege einzuschränken - und damit auch die Verbreitung von Resistenzen - ist unumstritten. Dieser Realitätscheck in 14 US-amerikanischen Hospitälern liefert jedoch ein enttäuschendes Ergebnis, was den Nutzen des PCT angeht. Dem steht gegenüber die Hannover-PRO-II-Studie aus dem Jahr 2010, an der in Deutschland 550 Patienten mit akuten Atemwegsinfektionen in 45 Allgemeinarztpraxen teilgenommen hatten, und bei der der Antibiotikaeinsatz um 42 % gesenkt werden konnte. Welchen Stellenwert der PCT in der Praxis und in der Klinik auch gegenüber neueren genetischen Testverfahren hat, werden die Autoren der entsprechenden Leitlinien zu klären haben.

Finanzierung: National Institute of General Medical Sciences.