Keine Blutspenden für Männer von ehemals schwangeren Frauen?

Kernbotschaft: Männer sterben häufiger in den ersten drei Jahren nach einer Bluttransfusion, wenn die Konserve von einer Frau stammt, die eine Schwangerschaft hinter sich hat, so das Ergebnis einer Studie aus den Niederlanden.

Hauptergebnisse: Die Sterblichkeit von Männern, die Blutspenden von Frauen mit vorangegangenen Schwangerschaften erhalten hatten, lag bei 101 Fällen auf 1.000 Personenjahre. Überrepräsentiert waren die eher jüngeren Männer. Erhielten sie Spenden von Männern kam es nur zu 80 Todesfällen auf 1.000 Personenjahre. Die Hazard Ratio liegt damit bei 1,13 (95% CI 1,01 bis 1,26). Die Todesraten nach Blutspenden von Frauen ohne Schwangerschaft lagen mit 78 Todesfällen auf 1.000 Personenjahre etwa so hoch wie bei Bluttransfusionen von männlichen Spendern.

Die Sterblichkeit von Frauen nach Transfusionen von ehemals schwangeren Geschlechtsgenossinnen lag bei 74, nach einer Spende von Männern bei 62 auf 1.000 Personenjahre. Die Hazard Ratio liegt hier bei 0,99 (95% CI 0,87 bis 1,13). Vergleicht man die Todesraten nach Transfusionen von Blut von niemals Schwangeren versus Blut von Männern, liegen die Werte bei 74 versus 62 mit einer Hazard Ratio von 1,01 (95% CI 0,88 bis 1,15).

Die Daten zeigen, dass das Sterberisiko von Männern um circa 13 Prozent erhöht ist, wenn die Blutspenden von Frauen stammen, die Schwangerschaften hinter sich haben. Das Sterberisiko von Frauen hingegen ist in diesem Fall nicht erhöht. Das Blut von Frauen, die keine Schwangerschaft hinter sich hatten, war für Männer und Frauen genauso verträglich wie das von Männern.

Design: Teilnehmer dieser retrospektiven niederländischen Kohortenstudie waren insgesamt 31.000 Patienten (52 Prozent Frauen, 48 Prozent Männer), die rund 60.000 Blutspenden erhalten hatten. Das Durchschnittsalter lag bei 65 Jahren. Dabei wurden die Todesraten innerhalb der ersten drei Jahre nach der Bluttransfusion untersucht und in Bezug zum Spender gesetzt. Gruppe 1 erhielt Blutspenden von Männern (88 Prozent), Gruppe 2 Blutspenden von Frauen, die schwanger gewesen waren (6 Prozent) und Gruppe 3 von Frauen, die nie schwanger gewesen waren (6 Prozent).

Klinische Bedeutung: Komplikationen nach Bluttransfusionen treten sehr selten auf. Hauptursache ist die transfusionsassoziierte akute Lungeninsuffizienz. Ursache ist eine Antikörperreaktion aus dem Blut des Spenders gegenüber Leukozyten des Empfängers. Innerhalb weniger Stunden kommt es zu Entzündungsprozessen der Lunge, die tödlich verlaufen kann.

Bereits länger bekannt ist, dass diese Immunreaktion häufiger auftritt, wenn das Blut von Frauen stammt, die während früherer Schwangerschaften Antikörper gegenüber HLA-Antigenen des Kindes im Bauch entwickelt haben. Eine Studie aus dem Jahr 2016 kommt hingegen zu dem Schluss, dass dieses Risiko generell erhöht ist, wenn das Blut von einer Frau stammt.

Die Ergebnisse dieser Studie werfen viele Fragen auf. Warum ist das Risiko von Blut mit HLA-Antikörpern für Männer riskanter als für Frauen? Und warum vor allem für jüngere Männer? Warum ist die Mortalität auch nach mehreren Monaten noch unterschiedlich, obwohl die transfusionsassoziierte akute Lungeninsuffizienz in der Regel bereits nach Stunden auftritt? Welcher Pathomechanismus spielt hier eine Rolle? In den Niederlanden entfernt man die Leukozyten aus den Blutproben. Eine Reaktion der Lymphozyten des Spenders kann damit ausgeschlossen werden. Weitere Studien werden notwendig sein, um die hier vorliegenden Ergebnisse zu bestätigen und praktische Schlüsse daraus zu ziehen.