Keine Besserung des Gesamtüberlebens bei Gliom-Patienten durch Zugabe von Bevacizumab


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Ohne eine Verbesserung des Gesamtüberlebens zu erreichen hat die Zugabe von Bevacizumab zu Temozolomid bei Patienten mit rezidivierenden Gliomen mehr Nebenwirkungen hervorgerufen.

Hintergrund

Bei Gliomen der Stufen II und III gemäß WHO-Klassifikation wird häufig Bevacizumab verabreicht. Allerdings kritisieren die Autoren der Studie, dass es für den Nutzen dieser Maßnahme keine Evidenz aus randomisierten Studien gäbe. Die TAVAREC-Studie wurde unternommen, um diese Lücke zu schließen.

Design

Randomisierte, open-label Studie der Phase 2 unter Beteiligung von 32 europäischen Zentren. Sie behandelten gemeinsam 155 Patienten mit einem ersten Rezidiv des Grades II oder III ohne 1p/19q-Verlust (eine doppelte chromosomalen Deletion, die bei 2/3 aller oligodendroglialen Tumore vorliegt, und die mit einem besseren Ansprechen auf eine Chemotherapie korreliert). Die Patienten erhielten entweder bis zu 12 Zyklen 150-200 mg/m2 Temozolomid als Monotherapie an Tag 1 bis 5 für je 4 Wochen, oder die gleiche Behandlung mit zusätzlich 10 mg/kg Bevacizumab i.v. alle zwei Wochen bis zur Progression.

Hauptergebnisse

  • Der primäre Endpunkt war das Gesamtüberleben nach 12 Monaten in der gemäß Protokoll behandelten Studienpopulation. Dies erreichten 61 % unter der Monotherapie und 55 %, die zusätzlich Bevacizumab erhalten hatten.
  • Die häufigste Toxizität war hämatologischer Art, hiervon waren 23 % der Patienten in der Monotherapie betroffen und 33 % unter der Kombinationstherapie. Weitere Nebenwirkungen betrafen das Nervensystem (79 % gegenüber 86 %), Fatigue (70 % / 80 %), und Übelkeit (52 % / 56 %). Während von Infektionen 23 % der Patienten in der Monotherapie betroffen waren, waren es mit zusätzlichem Bevacizumab 38 %. Schließlich kam es in der Kombinationsgruppe auch zu einem Todesfall durch eine Infektion nach intratumoraler Blutung während einer Thrombozytopenie.

Klinische Bedeutung

Die Studie konnte die erhoffte Evidenz für einen Zusatznutzen von Bevacizumab in dieser Patientengruppe nicht erbringen. Laut den Kommentatoren Jens Gempt und Bernhard Meyer vom Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München handelt es sich um die größte Studie mit den höchstwertigsten Daten in diesem Setting. Dies sei „eine Enttäuschung und eine Fortsetzung des Musters gescheiterter Studien mit Bevacizumab, das man einst als magische Kugel bei der Behandlung intrinsischer Hirntumoren betrachtet hat“. Sie raten dazu, bei künftigen Studien mit Patienten mit Hirntumoren lieber auf Immuntherapien zu setzen und sehen keine Rechtfertigung für den weiteren Einsatz von Bevacizumab bei dieser Tumorart.

Finanzierung: Roche Pharmaceuticals