Keine Besserung der kindlichen Gastroenteritis durch „Probiotika“


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Eine akute Gastroenteritis verläuft bei Kindern, die über 5 Tage hinweg das populäre Probiotikum Lactobacillus rhamnosus GG  verabreicht bekommen, genauso wie unter Placebo.

Hintergrund

Der weltweite Umsatz mit Probiotika betrug im Jahr 2015 umgerechnet etwa 33 Milliarden Euro. Sie sollen einigen Meta-Analysen zufolge den Ausgang einer akuten Gastroenteritis bei Kindern bessern, und sie werden zu diesem Zweck auch von mehreren Fachgesellschaften empfohlen. Die Autoren der aktuellen Studie halten jedoch die zugrunde liegenden Studien für mangelhaft und kritisieren unter anderem die geringe Zahl der Teilnehmer, eine fehlende Qualitätskontrolle der angewendeten Probiotika und fragwürde Ausgangs-Parameter.

Design

Prospektive, randomisierte, doppel-blinde Studie mit 971 Kindern im Alter zwischen 3 Monaten und 4 Jahren, die in einer von 10 US-amerikanischen pädiatrischen Notaufnahmen mit einer akuten Gastroenteritis aufgenommen wurden. Sie erhielten über 5 Tage hinweg 2 Mal täglich Bakterien des Stammes Lactobacillus rhamnosus GG in einer Dosis von 1010 Kolonien-bildenden Einheiten, oder Placebo. Folgeuntersuchungen wurden nach 5 Tagen, 14 Tagen und einem Monat durchgeführt mit dem primären Studienziel einer moderaten bis schweren Gastroenteritis, die definiert war als ein Gesamtscore von mindestens 9 auf der modifizierten Vesikari-Skala binnen 14 Tagen nach Einschluss in die Studie.

Hauptergebnisse

  • 97,1 % der median 1,4 Jahre alten Kinder beendeten die Studie wie geplant.
  • Kinder, die Lactobazillus erhalten hatten, entwickelten in den ersten 14 Tagen zu 11,8 % eine moderate bis schwere Gastroenteritis, in der Placebo-Gruppe waren es 12,6 %. Mit einem relativen Risiko von 0,96 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,68 – 1,35 war das Ergebnis nicht signifikant (P=0,83).
  • Auch bei den sekundären Studienzielen gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Im Einzelnen wurden hier gemessen (jeweils Lactobazillus versus Placebo):
    • Mediane Dauer des Durchfalls: 49,7 Stunden versus 50,9 Stunden
    • Ansteckungen im Haushalt 10,6 % versus 14,1 %
    • Dauer des Erbrechens median 0 Stunden in beiden Gruppen
    • Abwesenheit in der Kindertagesstätte median 2 Tage in beiden Gruppen

Klinische Bedeutung

Vorschulkinder mit einer akuten Gastroenteritis profitieren nicht von einer 5-tägigen Gabe einer definierten Dosis des Bakteriums Lactobacillus rhamnosus GG, das als Probiotikum häufig empfohlen wird. Zeitgleich wurde von derselben Arbeitsgruppe eine weitere Studie mit 886 Kindern publiziert, bei der zusätzlich der Stamm L. helveticus R0052 verabreicht wurde. Auch bei dieser Untersuchung gab es keine Vorteile für das „Probiotikum“. “Keine dieser beiden großen, gut gemachten Studien unterstützt den Gebrauch von Probiotika mit L. rhamnosus zur Behandlung von Kindern mit moderater bis schwerer Gastroenteritis“, fasst der Kommentator J. Thomas LaMont vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston zusammen. Es sei nicht auszuschließen, dass andere Probiotka beispielsweise bei infektiösen Durchfallerkrankungen effektiv seien, dies müsse aber in ähnlich rigorosen Studien wie den jetzt publizierten bewiesen werden.

Finanzierung: Eunice Kennedy Shriver National Institute of Child Health and Human Development; Emergency Medical Services for Children Program of the Maternal and Child Health Bureau, Health Resources and Services Administration; National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases of the National Institutes of Health; iHealth.