Keine Belege für die Wirksamkeit des Antibiotikums Minocyclin gegen die Negativsymptome bei Schizophrenie


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Nachdem Minocyclin in mehreren kleinen Studien die Negativsymptomatik und die kognitiven Funktionen zu verbessern schien, kommt eine größere Studie zu einem gegenteiligen Schluss: Das Antibiotikum verbesserte die Negativsymptomatik nicht, und die Befunde aus der Hirnbildgebung waren ebenso negativ wie die Messung inflammatorischer Biomarker wie Interleukin 6.

Hintergrund

Bei der Behandlung der Schizophrenie hat man noch keine befriedigende Lösung gefunden, um die Negativsymptomatik zu mindern und die kognitiven Funktionen zu verbessern. Bei der Krankheit spielen mutmaßlich dysfunktionelle glutaminerge und inflammatorische Reaktionswege sowie die Stressantwort eine Rolle. Auf der Grundlage von präklinischen und klinischen Studien wurde spekuliert, dass Minocyclin sich positiv auswirken könnte, denn das Antibiotikum scheint auf die genannten Mechanismen einzuwirken.

Design

In der randomisierten, doppel-blinden, und Placebo-kontrollierten BeneMin-Studie wurde versucht, die Befunde zu replizieren, die in früheren Studien einen Nutzen von Minocyclin auf die Negativsymptomatik gezeigt hatten, und den Wirkmechanismus zu verstehen. Dazu wurden 207 Patienten mit Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis (Diagnose maximal 5 Jahre zuvor) und anhaltender Positivsymptomatik den beiden Behandlungsarmen zugewiesen (Minocyclin 200 mg/Tag für 2 Wochen, dann 300 mg/Tag bis zum Ende der 12-monatigen Studie, oder Placebo).

Hauptergebnisse

  • Beim primären Studienziel, der Subskala für die Negativsymptomatik der PANSS-Skala nach 2, 6, 9 und 12 Monaten, war Minocyclin nicht wirksamer als Placebo. Die Differenz beim Behandlungseffekt betrug – 0,19 mit einem 95%-Konfidenzintervall von – 1,23 bis 0,85 (p=0,73).
  • Bei den Biomarkern waren primäre Studienziele die Volumenveränderung der grauen Masse im medialen präfrontalen Kortex, die Aktivierung des dorsolateralen-präfrontalen Kortex bei einer Aufgabe für das Arbeitsgedächtnis sowie die Plasma-Konzentrationen von Interleukin 6. Alle diese Parameter waren durch Minocyclin unbeeinflusst und über die Zeit unverändert.
  • 18 Patienten unter Minocyclin und 10 unter Placebo erlitten schwerwiegende Nebenwirkungen, 15 vs. 10 mussten eingewiesen werden. Diese Differenzen waren aber nicht signifikant.

Klinische Bedeutung

Die BeneMin-Studie kombiniert auf innovative Weise psychometrische mit neuroradiologischen Verfahren und der Bestimmung von Biomarkern, um die Hypothese von der Nützlichkeit des Minocyclins auf mehreren Ebenen gleichzeitig zu überprüfen. Das Ergebnis ist eindeutig: Es wurden keine Hinweise auf persistente neuropathische oder inflammatorische Prozesse gefunden, die der Negativsymptomatik zugrunde liegen könnten. Die Schlussfolgerung der Autoren ist ebenso eindeutig: „Solange es keinen klaren Beweise für inflammatorische Prozesse wie etwa eine Mikrogliose gibt, besteht keine Veranlassung für weitere Studien mit Minocyclin bei frühen Psychosen“.

Finanzierung: National Institute for Health Research Efficacy and Mechanism Evaluation (EME).