Kein Zusammenhang zwischen Migräne und Demenz festgestellt

  • Headache/Deutsche Gesellschaft für Neurologie

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Migräne-Patienten haben einer Kohorten-Studie zufolge wahrscheinlich kein erhöhtes Risiko für eine Demenz-Erkrankung. Allerdings sollten die Betroffenen hinsichtlich ihres Schlaganfall-Risikos überwacht werden, betont die Deutsche Gesellschaft für Neurologie in einer Mitteilung zu der Studie. 

Leicht erhöhtes Schlaganfall-Risiko 

Aufgrund der Beteiligung der Hirngefäße an der Migräne-Symptomatik wird seit längerer Zeit untersucht, ob es Zusammenhänge zwischen der Kopfschmerz-Erkrankung und dem Auftreten von Gefäß-Erkrankungen/Schlaganfällen oder dem Verlust kognitiver Fähigkeiten bzw. einer Demenz gibt. Es zeigte sich, dass insbesondere Migräne-Erkrankungen mit Aura mit einem leicht erhöhten Schlaganfall-Risiko einhergehen (bei Frauen mit Migräne-Aura ist das Risiko 2,1-fach erhöht, bei Männern 1,4-fach). 

Im MRT Veränderungen der weißen Hirnsubstanz

In der ARIC-Studie („Atherosclerosis Risk in Communities“) fand sich darüber hinaus eine Assoziation zwischen Migräne-Anamnese und Veränderungen der weißen Hirnsubstanz (Hyperintensitäten im MRT), schlaganfall-ähnlichen Läsionen („stumme Infarkte“) sowie Gehirn-Volumenänderungen. Solche Auffälligkeiten im Hirngewebe sind wiederum mit einem erhöhten Risiko kognitiver Störungen assoziiert, woraus sich die Frage ergibt, ob eine Migräne selbst auch einen Risikofaktor für die Entwicklung einer Demenz-Erkrankung ist. Nun haben US-Forscher eine prospektive Kohorten-Studie dazu publiziert.

Die prospektive Kohorten-Studie 

Die Migräne-Anamnese wurde in der Studie mit einem Fragebogen erhoben (Symptome entsprechend den Kriterien der „International Headache Society“), Patienten mit Demenz oder Schlaganfällen wurden ausgeschlossen. Die Diagnose Demenz wurde anhand von kognitiven Tests, neuropsychologischen Untersuchungen und der klinischen Beurteilung von Verdachtsfällen gestellt. Die Inzidenz-Berechnung beruht auf den bestätigten Fällen, telefonischen Verlaufskontrollen und der Erfassung von Klinikdiagnosen und Todesursachen. Es wurden 12495 Teilnehmer, darunter 1397 Migräne-Patientinnen und -patienten, im Alter zwischen 51-70 Jahren analysiert; die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 21 Jahre. 

Statistisch keine Assoziation

Die Berechnungen ergaben eine Demenz-Prävalenz 

  • bei Teilnehmern ohne Migräne von 18,5% (1821/9955), 
  • bei Migräne-Patienten von 16,7% (233/1397) 
  • und bei Patienten mit schweren Nicht-Migräne-Kopfschmerzen in der Anamnese von 15,8% (196/1243). 

Insgesamt gab es statistisch keine Assoziation zwischen Migräne und der Demenz-Inzidenz (HR 1,04). 

Es wurden außerdem Kovariablen erfasst und überprüft, die einen Einfluss auf die Ergebnisse haben könnten (z. B. Alter, Geschlecht, Abstammung, Bildungsstatus, Einkommen, Nikotin- und Alkoholkonsum, Bluthochdruck, BMI, Diabetes mellitus, koronare Herzerkrankung, Cholesterin). Es fand sich auch keine statistisch bedeutsame Interaktion zwischen Migräne, Demenz und den einzelnen Kovariablen. Allerdings könne anhand der Studiendaten, so die Autoren, nicht differenziert werden, ob möglicherweise weitere Charakteristika wie das Patientenalter zu Migränebeginn oder die Zahl und der Schweregrad der Migräneanfälle mit einer Demenz-Entstehung assoziiert sind, dazu müssten noch größere Patientenzahlen analysiert werden.

Eine Empfehlung

„Trotz der Tatsache, dass Migräne-Patienten in seltenen Fällen Veränderungen im Hirngewebe aufweisen, haben die Betroffenen kein höheres Risiko, eine Demenz zu entwickeln“, kommentiert Professor Dr. Hans-Christoph Diener (Essen) von der DGN. „Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Hinweise darauf, dass die bei Migräne-Patienten auftretenden Veränderungen in der weißen Substanz eine klinische Bedeutung oder einen Krankheitswert haben“, so Diener ausserdem. Allerdings sollten die Betroffenen, vor allem Frauen, die an einer Migräne mit Aura litten, hinsichtlich ihres Schlaganfall-Risikos überwacht und zusätzliche Gefäßrisiken (z. B. Rauchen und Hormonbehandlungen) nach Möglichkeit vermieden werden.