Kein Zusammenhang zwischen Kosten und Nutzen von Krebsarzneien

  • Lancet Oncology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Eine Kosten-Nutzen-Analyse bestätigt, dass in den USA weitaus höhere monatliche Kosten für Krebsarzneien bezahlt werden müssen, als in Deutschland und anderen europäischen Ländern mit hohen Einkommen. Einen Zusammenhang zwischen den Preisen und dem klinischen Nutzen gab es nicht.

Hintergrund

Steigende Preise für Krebsmedikamente belasten Gesundheitssysteme und Patienten in Europa und den USA. Bei der Preisgestaltung führen europäische nationale Behörden oft direkte Gespräche mit den Herstellern, in den USA ist dies nicht der Fall. Die amerikanischen und europäischen Fachgesellschaften ASCO und ESMO haben daher einen gemeinsamen Rahmen entwickelt, um den klinischen Wert diverser Krebstherapien zu bewerten.

Design

Kosten-Nutzen-Analyse für die USA, England, die Schweiz, Deutschland und Frankreich bezüglich Krebsarzneien, die in den USA durch die FDA zwischen 2009 und 2017 bzw. in Europa durch die EMA bis September 2019 zugelassen wurden. Der klinische Nutzen für Arzneien gegen solide Tumoren wurde mithilfe der Skalen ASCO-Value Framework (ASCO-VF) und ESMO-Magnitude of Clinical Benefit Scale (ESMO-MCBS) bestimmt und den monatlichen Arzneimittelkosten gegenübergestellt.

Ergebnisse

  • Eingeschlossen wurden 65 Arzneien, darunter 47 gegen solide Tumoren und 18 gegen hämatologische Erkrankungen.
  • Die medianen monatlichen Arzneimittelkosten waren in den USA 2,31 Mal so hoch wie in den 4 europäischen Ländern mit hohen Einkommen; der Quartilsabstand reichte dabei von 1,79 – 3,17.
  • Bei Anwendung der ESMO-Kriterien gab es für Arzneien gegen solide Tumoren in keinem der untersuchten Länder einen signifikanten Zusammenhang zwischen den Kosten und dem klinischen Nutzen (p = 0,52 für Deutschland; 0,54 für die Schweiz; 0,40 für Frankreich; 0,98 für England und 0,16 für die USA)
  • Auch bei Anwendung der ASCO-Kriterien gab es – außer für Frankreich (p = 0,037) keine signifikanten Zusammenhänge.

Bedeutung

Das interdisziplinäre Team schlägt aufgrund dieser Ergebnisse vor, Krebsarzneien mit niedrigen oder unklarem klinischen Nutzen bei den Preisverhandlungen zu priorisieren. Ihr Konzept der „value frameworks“ könne helfen, jene Therapien zu identifizieren, die einen hohen klinischen Nutzen haben und die international schnell verfügbar gemacht werden sollten. Grundlage der Berechnungen waren die zum Zeitpunkt der Zulassung maßgeblichen Studien. Spätere Daten, die möglicherweise das Kosten-Nutzen-Verhältnis betreffen, sind nicht berücksichtigt.

Finanzierung: Krebsforschung Schweiz.