Kein Mythos: Jedes Kind kostet die Mutter Zähne


  • Susanne Kressenstein
  • Medizinische Nachrichten
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Jedes Kind kostet einen Zahn – dass an dieser Redensart etwas dran ist, beweist eine Datenauswertung am Universitätsklinikum Heidelberg. Dazu werteten die Forscher einen Teil der Ergebnisse der SHARE- (Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe) Studie aus. Diese Teilerhebung erfasst Informationen über Gesundheit, Bildungsstandard und Haushaltseinkommen von knapp 35.000 Erwachsenen in zahlreichen europäischen Ländern und Israel.

Das Durchschnittsalter der Teilnehmer betrug 67 Jahre und im Mittel fehlten zehn Zähne. Es zeigte sich zum einen, dass Frauen mit einem höheren Bildungsabschluss mehr Zähne im Mund hatten als Frauen mit einem niedrigeren Bildungsabschluss. Aber es bestand zum anderen offensichtlich auch ein Zusammenhang mit der Zahl der Kinder, die eine Frau zur Welt gebracht hat. Je größer die Familie war, umso schlechter war der Zahnstatus der Mütter.

Verglichen wurde der Zahnstatus von Müttern mit zwei Kindern mit dem Zahnstatus von Frauen, die nach Zwillingen noch ein drittes Kind bekommen hatten, aber deswegen alle ihre Kinder im Rahmen von zwei Schwangerschaften auf die Welt gebracht hatten. Es zeigte sich, dass ein drittes Kind nach Zwillingen im Alter bei Frauen zu deutlich mehr fehlenden Zähnen führt. Frauen mit drei Kindern hatten in ihrer zweiten Lebenshälfte im Durchschnitt rund 4,27 Zähne weniger als Mütter von zwei Kindern. Bei den Vätern bestand hingegen keine Korrelation zwischen der Zahl der Kinder und dem Zahnstatus.

Bekannt ist, dass Schwangerschaften die Anfälligkeit für Zahnfleischentzündungen erhöhen. Muss eine Frau in den ersten Monaten häufig erbrechen, greift das die Zahnsubstanz an und erhöht das Risiko für Karies. Wahrscheinlich aber spielt das Haushalts- und Zeitbudget junger Mütter eine große Rolle für die Zahngesundheit. Je mehr Kinder im Haushalt leben, umso weniger Zeit nehmen Frauen sich vermutlich für ihre Zahnhygiene.