Keimverseuchte Stethoskope geben zu denken

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Das Stethoskop, das Sinnbild für den Arzt, ist wohl eine größerer "Bazillenschleuder" als allgemein angenommen. Das haben Forscher der Unispitäler Genf (HUG) in einer Studie festgestellt. Die Ergebnisse wurden in "Mayo Clinic Proceedings" präsentiert.

Die Wissenschaftler untersuchten die Keimbelastung von diversen Handteilen und Stethoskopen von Ärzten nach der einmaligen Untersuchung von 71 Patienten. Dazu desinfizierten sich die Ärzte zuvor die Hände und untersuchten die Patienten dann mittels manuellem Abtasten und Abhören mit dem Stethoskop.

Erwartungsgemäss trugen die Fingerspitzen der Mediziner die meisten Keime. Gleich darauf folgte die Membran des Stethoskops, die auf der Haut aufliegt. Die Handflächen waren weniger kontaminiert. Sogar der Schlauch des Stethoskops trug mehr Keime als die Rückseite der Hände der Ärzte. Das gleiche Bild zeigte sich auch bei resistenten Bakterien. Für die Autoren steht deshalb fest: "Das Stethoskop ist potenziell ein wichtiges Übertragungsmittel für Bakterien, auch für antibiotikaresistente."

"Aus Sicht der Infektionsprävention und Patientensicherheit sollte das Stethoskop als Verlängerung der ärztlichen Hand betrachtet und nach jedem Patientenkontakt desinfiziert werden", schließen die Wissenschaftler aus den Ergebnissen.

Die Studie ist allerdings kein genaues Abbild des Ärztealltags, wie die deutsche Ärztezeitung in einem Bericht zur Studie zu bedenken gibt: Nur Patienten im Spital wurden untersucht, und fast jeder Zweite davon trug mehrfach resistente Keime. 14 Prozent von ihnen waren nicht mehr in der Lage, sich selbst zu waschen, weshalb sie womöglich besonders viele Keime trugen. Dennoch zeige die Studie erneut auf, wie wichtig gute Hygiene sei.