KBV erforscht eigene Geschichte und will Gedenktafel errichten

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Berlin (pag) – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) plant die Errichtung einer Gedenktafel, um an die Opfer der Verbrechen der Ärzteschaft im Dritten Reich zu erinnern. Sie wird vor der KBV-Zentrale in Berlin am 8. November offiziell eingeweiht. Auch die Geschichte des KBV-Vorgängers in der NS-Zeit soll aufgearbeitet werden. 

„KBV übernimmt Verantwortung“ heißt das neue Erinnerungsprojekt, teilt die Bundesvereinigung mit. Ziel sei es, die Beteiligung des Rechtsvorgängers – der Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands (KVD), die 1933 gegründet wurde – an Verbrechen in der NS-Zeit geschichtlich aufzuarbeiten. Zahlreiche Akten seien in Archiven eingelagert und würden in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Antisemitismus-Forschung erforscht. 

„Wir erforschen das deshalb, weil über die Geschichte der KVD, ihre Beteiligung an den Verbrechen des NS-Regimes, relativ wenig bekannt ist“, sagt Dr. Christoph Weinrich, Leiter des Geschäftsbereichs für Transparenz und Fehlervermeidung und stellvertretender Justiziar der KBV. 

Das Forschungsprojekt ist auf zwei Jahre angelegt und hat bereits Anfang Juli begonnen. Mit rund 180.000 Euro finanziert die KBV eine Wissenschaftlerstelle an der TU Berlin. Erstellt wird zunächst ein Findbuch, in dem aufgelistet wird, was in den Dokumenten enthalten ist. Anschließend soll die wissenschaftliche Aufarbeitung erfolgen. Die Ergebnisse werden in Druckform und im Internet veröffentlicht. 

Geplant ist außerdem, eine Gedenktafel vor der KBV-Zentrale am Herbert-Lewin-Platz in Berlin-Charlottenburg Anfang November einzuweihen. 10.000 Euro soll sie kosten. Weinrich: „Wir haben festgestellt, dass es einen Erinnerungsort für die spezifisch kassenärztlichen Themen in Deutschland bis dato nicht gibt. Deshalb werden wir den schaffen, mit einem Gedenkstein direkt vor unserer Haustür mit einer großen Inschrift“.

Die KBV-Vertreterversammlung hat im Mai beschlossen, ihre finanzielle Förderung der Gedenkstätte Alt Rehse in Mecklenburg-Vorpommern nach fünf Jahren zu beenden. Die KBV hatte eine Anschubfinanzierung von 60.000 Euro pro Jahr für den Umbau der Ex-Führerschule der Deutschen Ärzteschaft zu einer Gedenkstätte geleistet. Die Finanzierung für das Projekt ist damit nicht mehr gesichert.