KBV: Arztuhr zeigt Verknappung der Praxiszeit

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Berlin (pag) – Mit der Arztzeituhr weist die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) auf den Medizinermangel im ambulanten Bereich hin. Sie zeige die pro Jahr knapper werdende Arztzeit, die durch mehr Angestellte, Teilzeitbeschäftigungen und vorzeitig in Ruhestand gehende Freiberufler stetig abnehme. Der Entwurf des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) verschärfe die Lage noch, Korrekturen seien daher notwendig.

„Der Arztmangel schlägt in der ambulanten Versorgung voll zu. Jede Minute verschwinden 474 Minuten auf der Uhr, die ein Arzt an Arbeitszeit aufbringt“, sagt KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. „Wenn alle zugelassenen Ärzte 2017 in eine 40-Stunden-Anstellung gewechselt wären, hätte die Versorgung rund 40.000 Köpfe an ärztlicher Behandlungszeit verloren – bei 160.000 Vertragsärzten und Psychotherapeuten.“ Nicht mit eingerechnet seien der Mehrbedarf durch demografischen Wandel und Medizinermangel im stationären Bereich. Gründe: fehlender Nachwuchs, früherer Renteneintritt, mehr Angestellten- und Teilzeitbeschäftigungen.

Daher müsse behutsam mit der knappen Arztzeit umgegangen werden. Mit dem TSVG würden jedoch Praxisabläufe erschwert, nicht mehr Arztzeit geschaffen, sondern diese künstlich verknappt. Die Dokumentation zusätzlicher Sprechstunden führe zu mehr Bürokratie. Das TSVG mache den Beruf für angehende Mediziner unattraktiver und verstärke den Trend, dass diese eher ein Angestelltenverhältnis und eine Teilzeitbeschäftigung mit klaren Arbeitszeitvorgaben suchten. „Ältere Praxisinhaber könnten aufgrund des TSVG früher in den Ruhestand gehen“, warnt Gassen. Diejenigen, die dazu bereit seien, mehr zu arbeiten, müssten besser und außerbudgetär entlohnt werden. Die Pflicht, offene Sprechstunden anzubieten, müsse im TSVG aufgeweicht und eine Kann-Regelung formuliert werden. Je nach regionalem Bedarf und Arztgruppe müsse unterschieden werden, wer diese anbiete. Die ambulante Versorgung solle mehr Geld erhalten, über dessen Verteilung die jeweilige KV entscheide. Die Vorschläge will die KBV-Spitze Minister Jens Spahn (CDU) in Kürze unterbreiten. Die Uhr soll in der KBV-Zentrale in Berlin aufgestellt werden.

Am Mittwoch protestierten zudem niedergelassene Ärzte bundesweit in mehreren Großstädten gegen das TSVG. Sie sehen die geplanten Gesetzesänderungen als Eingriff in ihre Berufsfreiheit. Zu den Demonstrationen aufgerufen hatte ein Bündnis verschiedener Ärzteverbände.