KBV: Ärzte sollen von Digitalisierung überzeugt werden

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Berlin (pag) – Ärzte sollen digitale Neuerungen aus Überzeugung nutzen und nicht, weil sie durch Gesetze dazu gezwungen werden, fordert die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bei der Vorstellung ihres jährlichen Praxisbarometers Digitalisierung.

 

Die Covid-19-Pandemie habe am Beispiel der Videosprechstunden gezeigt, wie schnell Ärzte ihren Patienten digitale Angebote machen können, sagt Dr. Martin Albrecht, Geschäftsführer des IGES Instituts, das die Umfrage durchgeführt hat. Insgesamt bietet ein Viertel der Praxen Videosprechstunden an, vor der Pandemie waren es nur zehn Prozent. Spitzenreiter sind die psychotherapeutischen Praxen, von denen rund drei Viertel Videosprechstunden anbieten. Die Mehrheit der ärztlichen Praxen hält diese für ein geeignetes Instrument zur Patientenversorgung, allerdings scheint sie bei der Diagnose von Erkrankungen der oberen Atemwege nur bedingt geeignet zu sein.

 

In der Pandemie tragen laut Dr. Stephan Hofmeister, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der KBV, vor allem die Techniken zum Erhalt der Versorgung bei, die es schon vorher gab und die jetzt nur noch vereinfacht wurden, wie die Abrechnung der Videosprechstunde. Die Einführung von neuen Technologien sieht er kritisch. Diese müssten erst erprobt in den Versorgungsalltag integriert werden. „Dieser Aufwand ist ungleich höher“, so Hofmeister. Hinzu kommt, „dass es leider oft nur halbgare Lösungen gibt, zu deren Anwendung die Praxen aber gesetzlich verpflichtet werden“, sagt er mit Blick auf die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU). Ein weiterer Störfaktor sei die Fehleranfälligkeit der Telematikinfrastruktur, ergänzt KBV-Vorstandsmitglied Thomas Kriedel.

 

Dem Referentenentwurf des dritten Digitalisierungsgesetzes steht die KBV positiv gegenüber. Hofmeister fehlt jedoch der Ansatz des „Gewinnens für die Digitalisierung“. Er bemängelt, dass es „immer noch zu sehr über die Schiene des Kontrollierens, Bestrafens und Korrigierens“ geht.