KBV: Ärztliche Versorgung ist der Goldstandard

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Münster (pag) – Durch das Digitale-Versorgungs-Gesetz (DVG) könnten Kassen die Versorgung steuern. Das befürchtet Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), auf der Vertreterversammlung der Organisation in Münster.

Die im DVG-Entwurf vorgeschlagenen digitalen Innovationen würden es den Krankenkassen ermöglichen, „alleine und direkt die Versorgung“ zu steuern. Und das geschehe vorrangig unter finanziellen und nicht medizinischen Aspekten, argwöhnt Hofmeister. Er sagt: „Wenn die Kassen selber die Versorgung ihrer Versicherten übernehmen, ist damit für mich eine rote Linie überschritten.“ Auch die Reform des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs durch das geplante Faire-Kassenwahl-Gesetz spricht Hofmeister an und weist den Vorwurf zurück, Ärzte würden falsch kodieren. Die Befreiung von dieser Leistung lehnt er ebenfalls ab.

Prinzipiell sei die Ausdifferenzierung der Gesundheitsberufe und der Ausbildungen nicht verkehrt, findet KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen. Er hält die ärztlich verantwortete Versorgung allerdings für den „Goldstandard“. Und am Ende gehe es um die wirtschaftliche und haftungsrechtliche Verantwortung, macht er an einem Beispiel deutlich: „Es muss allen klar sein, dass der Physiotherapeut bei einem Direktzugang des Patienten auch die Budgetverantwortung tragen muss – Regressbedrohung inklusive.“ Generell wünscht er sich, dass man den Ärzten ihre Arbeit machen lässt – ohne Gängelung durch Gesetze oder „innovative Ideen“. Bei der Umsetzung des Terminservice- und Versorgungsgesetzes befürchtet Gassen eine Blockadehaltung der Krankenkassen. „Es scheint Strategie zu sein, jedwede Regelung so zu verkomplizieren, dass es de facto nicht zu mehr Geld, aber dafür zu mehr Aufwand und Kontrolle führen wird“, kritisiert er.

Wer sich bewusst der Telematikinfrastruktur (TI) verweigert, wird von den Kassenärztlichen Vereinigungen sanktioniert, betont KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel. Aber Ärzte, die unverschuldet noch nicht an die TI angebunden seien, dürften nicht dafür bestraft werden. Er glaubt, dass 70 bis 80 Prozent der Praxen bis Ende des Quartals an die TI angeschlossen sind.