Kawasaki-Syndrom oder Infektion? Ein Schnelltest unterscheidet


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Akutes, anhaltendes Fieber, das trotz Verdachtsmedikation mit Antibiotika nicht sinkt: Ein molekularbiologischer Bluttest kann helfen, virale oder bakterielle Infektionen frühzeitig von einem Kawasaki-Syndrom zu unterscheiden. Diese Erkrankung ist selten in Europa, kann aber schwere Komplikationen hervorrufen.

Hintergrund
Das Kawasaki-Syndrom ist eine entzündliche Gefäßerkrankung, hautpsächlich der kleineren und mittleren Arterien. Das Syndrom entsteht möglicherweise durch einen infektiösen Trigger auf Basis einer genetischen Disposition. Vor allem in Europa, wo das Kawasaki-Syndrom (KS) mit circa 9 Erkrankungen/100 000 Kindern selten ist, wird es wegen der bei Erstmanifestation oft unspezifischen Symptomatik häufig nicht rechtzeitig genug erkannt und behandelt, um schwere Langzeitfolgen wie Aneurysmen der Koronararterien und Thrombosen, die einen Herzinfarkt auslösen können, zu verhindern.

Design

  • Fallkontrollstudie mit zwei Kohorten: eine Testkohorte zur Erprobung eines Genxpressionstests mit Blut als Ausgangsmaterial und eine zweite Validierungskohorte für den Test
  • Test: 13-Gen-Expressionstest als Microarray
  • Testkohorte: 404 Kinder mit Entzündungssymptomen und Infektionen: 78 mit KS (medianes Alter: 27 Monate), 84 mit anderen entzündlichen Erkrankungen und 242 mit bakteriellen oder viralen Infektionen (medianes Alter dieser Gruppen: 37 Monate)
  • Validierungskohorte: 102 Kinder mit KS, davon 72 in den ersten 7 Tagen der Erkrankung (medianes Alter: 34 Monate), und 130 fiebererkrankte Kinder als Kontrolle (medianes Alter: 17 Monate)

Hauptergebnisse

Mit Hilfe eines 13-Gentranskript-Signatur-Tests an Blutproben ließ sich das Kawasaki-Syndrom in der Testkohorte mit einer Sensitivität von 81,7 % und einer Spezifität von 92,1 % erkennen und damit von anderen fieberhaften Erkrankungen unterscheiden. Nach dieser Prüf- und Schulungsphase wurde die Aussagekraft der Diagnostik in der Validierungskohorte untersucht: die Sensitivität betrug nun 85,9 % und die Spezifität 89,1 %. Die Aussagekraft des Testes nahm zu, wenn die Ergebnisse in Beziehung gesetzt wurden zu den klinischen Kategorien: In der Kategorie „Diagnose des Kawasaki-Syndroms sicher“ war die Übereinstimmung mit dem Gentestergebnis zu 98,1 % am höchsten, gefolgt von der Kategorie „höchst wahrscheinlich KS“ mit 96,3 % Übereinstimmung und „möglicherweise KS“ mit 70 % Übereinstimmung.

Klinische Bedeutung

Die Ergänzung der klinischen Untersuchungen und der Labordiagnostik von Kindern, bei denen das Kawasaki-Syndrom als Ursache einer akut beginnenden und anhaltenden Fieberperiode nicht ausgeschlossen werden kann, durch einen rasch durchführbaren Bluttest kann die Zeit bis zur richtigen Diagnose verkürzen. Dadurch können Kindern mit KS unwirksame Medikamente wie Antibiotika auf Verdacht erspart werden und zugleich effektive Behandlungen wie antiinflammatorische Therapien oder die Gabe von Immunglobuline n i.v. beg i nnen.

Finanzierung: öffentliche Mittel