Kassenärzte wollen mehr Geld für zusätzliche Sprechstunden

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Potsdam (pag) – 450 Millionen Euro mehr Geld fordern Kassenärzte als Ausgleich für die Bereitstellung von Mehrleistungen. Im Koalitionspapier hatten sich SPD und CDU/CSU darauf verständigt, dass Kassenärzte die Anzahl der Sprechstunden für gesetzlich Versicherte von 20 auf 25 Stunden pro Woche erhöhen sollen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) kritisiert dies.

 

Bereits heute arbeiteten Kassenärzte im Durchschnitt 52 Stunden pro Woche – so die KBV laut Medienberichten. „Die Ärzte sollen jetzt noch mehr machen als ohnehin schon und ihre Selbstausbeutung maximieren. Das wird nur gehen, wenn es für die Mehrarbeit der Kollegen auch mehr Geld gibt“, sagt KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. In der Folge könnten sich die Ärzte strikt an die gesetzlichen Budgetvorgaben halten. „In Sachsen würde das bedeuten, dass Fachärzte 22 Prozent weniger Leistungen anbieten, weil diese nicht bezahlt werden“, sagt Gassen. „Würden wir wirklich den Dienst nach Budget machen, dann hätten wir im System mal richtig Dampf im Kessel“, so Gassen weiter.

Die KBV verweist auf vertragsärztliche Leistungen im Wert von 2,9 Milliarden Euro, die 2016 von den Krankenkassen nicht bezahlt worden seien. 24,45 Milliarden Euro Einnahmen aus der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung stünden 27,33 Milliarden Euro für tatsächlich erbrachte Untersuchungen und Behandlungen für GKV-Patienten gegenüber. Darüber hinaus sei die Honorierung regional unterschiedlich. Während die Hausärzte in Bayern und Baden-Württemberg ihre Leistungen zu 100 Prozent bezahlt bekämen, lägen die Honorare der Hausärzte in Hamburg um 22 Prozent und die der Hausärzte in Berlin um 15 Prozent unterhalb der Euro-Preise, die der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) für eine ärztliche Leistung ausweist.

Die KBV fordert daher die Aufhebung des bestehenden Kostendeckels vertragsärztlicher Honorare. Den begrenzten Mitteln aus der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stünde ein unbegrenztes Leistungsversprechen der Ärzte gegenüber, das die Patienten auch in Anspruch nähmen. „Es kann nicht sein, dass die Ärzte die Zeche dafür zahlen müssen“, kritisiert Gassen. Patienten hätten aufgrund des Sachleistungssystems der GKV zudem kein Gespür für die Kosten, die durch Untersuchungen entstünden.

Damit die Ausgabenentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung beherrschbar bleibt, wird vorgeschlagen, dass ausschließlich der Patient die Menge der Leistungen bestimmt und durch die Entbudgetierung keine ökonomischen Anreize für den Arzt bei der Abrechnung der Leistungsmenge entstehen.

Mit der Deckelung soll verhindert werden, dass die Behandlungskosten ins Uferlose steigen, argumentieren die Krankenkassen und weisen die Kritik zurück. Ein Großteil der Leistungen werde übernommen, Ärzte würden weiterhin gut verdienen – im Durchschnitt 190.000 Euro brutto pro Jahr.