Deutschlands Gesundheitswesen ein „behäbiges Schönwettersystem“

  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Das deutsche Gesundheitswesen sei ein „behäbiges Schönwettersystem“, gegen Krisen wie Pandemien oder Folgen des Klimawandels sei es nur schlecht gewappnet, so der Vorsitzende des Sachverständigenrats, Professor Ferdinand Gerlach, diese Woche bei der Übergabe des aktuellen Gutachtens „Resilienz im Gesundheits­wesen. Wege zur Bewältigung künftiger Krisen“ an die Bundesregierung.

Die Selbstwahr­nehmung eines gut organisierten Systems sei „trügerisch“, warnte Gerlach. Für viele Bereiche und Herausforderungen gebe es zwar bereits „gute Analysen und konkrete Konzepte zur Resilienzstärkung“. Dies gelte etwa für „Pandemie- oder Hitzepläne". Die Konzepte aber „verstauben oft in Schubladen, anstatt konsequent umgesetzt und eingeübt zu werden“. Aus den aktuellen krisenhaften Erscheinungen seien keine ausreichenden Schlüsse gezogen worden – dabei gebe es weniger ein Erkenntnisproblem als Daten- und Umsetzungsdefizite.

Die Pandemie habe gezeigt, dass unser Gesundheitswesen widerstandsfähiger werden müsse, so auch Karl Lauterbach. Deswegen sei er dankbar, „dass der Sachverständigenrat die Resilienz zum Thema macht. Das gibt uns Rückenwind für die geplanten schwierigen, aber dringend notwendigen Reformen: Wir ordnen die Krankenhausstruktur neu, machen Arzneimittelversorgung sicherer, sorgen mit niederschwelligen Angeboten für gute Medizin für alle. Und wir ziehen Lehren aus der Pandemie. Wenn das nächste Virus zur Gefahr wird, werden wir international wie national besser aufgestellt sein“.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will laut einem Beitrag des "Ärztlichen Nachrichtendienstes" mit einem „Entbürokratisierungsgesetz“ dafür sorgen, dass die Praxen von überflüssigen Verwaltungs- und Dokumentationsaufgaben entlastet werden. Das habe Lauterbach diese Wochen auf dem Neujahrsempfang der Deutschen Ärzteschaft in Berlin angekündigt. „Wir brauchen eine systematische Analyse“, so der SPD-Politiker weiter. Dann müssten überflüssige Aufgaben abgebaut werden. Dies wolle er angehen. Außerdem habe er angekündigt, das Gesundheitssystem weiter entökonomisieren zu wollen. Dies gelte für die Kliniken, den Arzneimittelbereich und die ambulante Medizin. „Dies wird dann mit Qualitätsverbesserungen einhergehen“, wird Lauterbach in dem Beitrag zitiert.

Nicht nur im Fernverkehr endet Anfang Februar die Maskenpflicht - auch im Nahverkehr gibt es ab dann keine Einschränkungen mehr. Die letzten Bundesländer haben nun die Regelung für Bus und Bahn gestrichen. In Hamburg und Nordrhein-Westfalen soll die Vorschrift zum 1. Februar auslaufen, wie die Landesregierungen mitteilten. In Bremen, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland wird dies zum 2. Februar der Fall sein. Die übrigen neun Länder hatten die Maskenpflicht im Nahverkehr bereits zuvor beendet oder deren Abschaffung bis Anfang Februar in den vergangenen Tagen angekündigt. Als letztes tritt das Ende der Pflicht am 3. Februar in Thüringen in Kraft. Wie berichtet hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach eine Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen angekündigt, darunter die bundesweite Maskenpflicht im Fernverkehr. Der SPD-Politiker begründete die Entscheidung damit, dass sich die Lage in der Coronavirus-Pandemie stabilisiert habe. Die Entscheidung sei den Bundesländern abgesprochen worden. Lauterbach appellierte allerdings an Bürger und Reisende, im Fern- und Nahverkehr freiwillig weiter Masken zu tragen.

Viele Fragen zur Ausgestaltung der elektronischen Patientenakte sind noch unbeantwortet - vor allem, welche Daten darin hinterlegt werden sollen und nach welchen Standards dies erfolgt. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) hat hierzu anhand von konkreten Beispielen aus dem Versorgungsalltag Empfehlungen erarbeitet. Diese Informationen sollten nach Vorschlag der DGIM in der ePA hinterlegt sein:

Notfalldatensatz (NFD) bzw. Elektronische Patientenkurzakte (ePKA)

  • Größe, Gewicht
  • Vorerkrankungen (mit ICD 10)
  • Aktuelle Dauermedikation (inkl. Bedarfsmedikation)
  • Allergien (mit klinischen Angaben) und Unverträglichkeiten
  • Angaben zu Implantaten
  • Pflegestufe
  • Einschluss in ein Patientenprogramm, z.B. DMP
  • Kontaktinformationen Angehörige, Pflegeeinrichtung, behandelnde Ärzte/Einrichtungen

Datensatz persönliche Erklärungen (DPE)

  • Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuung (Kontaktdaten der Pflegeeinrichtung inkl. Pflegebögen), ggf. vorhandener Pflegegrad
  • Patientenverfügung
  • Organspendeausweis

Aktuelle Medikation

  • Bundeseinheitlicher Medikationsplan (BMP), elektronischer Medikationsplan (eMP) und Angabe über Indikationen und Medikationshistorie
  • Ggf. Interaktionscheck-Option

Impfdokumentation

  • Impfpass

Briefe und Berichte

  • Stationäre Behandlung
  • Briefe ambulante Fachärzte
  • Physiotherapeuten, andere Heilberufe

Befunde von

  • Labor-Untersuchungen (z.B. Klinische Chemie, Hämatologie etc.)
  • apparativen Untersuchungen (z.B. EKG, Lungenfunktion etc.)
  • bildgebenden Verfahren (z.B. CT, MRT, Ultraschalluntersuchungen etc.)

Der Präsident des Robert Koch-Instituts Professor Lothar H. Wieler wird auf eigenen Wunsch zum 1. April sein Amt niederlegen, um sich neuen Aufgaben in Forschung und Lehre zu widmen. Der Schritt erfolge im Einvernehmen mit Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung des Bundesministeriums für Gesundheit und des Robert Koch-Instituts.

Lothar Wieler steht seit März 2015 an der Spitze des Berliner Instituts; in dieser Zeit hat er die Modernisierung der zentralen Einrichtung des Bundes auf dem Gebiet der anwendungs- und maßnahmenorientierten biomedizinischen Forschung wesentlich vorangetrieben. In der Pandemie-Bekämpfung spielte das RKI auf nationaler und internationaler Ebene eine zentrale Rolle. Für eine Übergangszeit wird Wielers Aufgabe durch seinen Stellvertreter Prof. Lars Schaade übernommen.

 

Ein Rechercheteam des WDR, des NDR und der SZ hat interne Unterlagen des Bundesgesundheitsministeriums und des Bundeswirtschaftsministeriums ausgewertet. Die Akten geben laut einem Bericht von „Medscape“ Hinweise auf überteuerte Preise für PCR-Tests zu Beginn der Corona-Pandemie.

  • Demnach soll die Kassenärztliche Bundesvereinigung mit 59 Euro pro Test einen Wert angesetzt haben, der sich am recht selten durchgeführten Hepatitis-Test orientiert – und nicht an häufigeren, wesentlich preisgünstigeren Tests auf Influenza oder RSV (19,90 Euro).
  • Marktübliche Preise scheint der damalige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nie in Erfahrung gebracht zu haben. Kostenkalkulationen auf der Grundlage von Chemikalien, Geräten und Personenstunden waren in den Unterlagen nicht zu finden.
  • Das Bundesgesundheitsministerium soll Druck auf Krankenkassen ausgeübt haben, die Preise zu akzeptieren.

Bis heute haben PCR-Tests bundesweit etwa 6 Milliarden Euro verschlungen. Zwar wurden die Honorare mehrfach nach unten korrigiert. Ein Teil der Kosten wäre laut Rechercheteam aber vermeidbar gewesen. Das BMG hat sich dem „Medscape“-Bericht zufolge zu den Zahlen bislang nicht geäußert.

Obgleich sich die Corona-Pandemie dem Ende nähert, möchte sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach nicht so schnell von der Corona-Warn-App verabschieden, die laut einem Tagesschau-Bericht mehr als 48 Millionen Mal installiert wurde. Lauterbach: „Stellen Sie sich vor, wir würden die Corona-Warn-App jetzt nicht mehr nutzen und es käme zu neuen Wellen. Es ist ja nicht ausgeschlossen, dass die Corona-Pandemie noch mal zurückkommt und dass es noch mal neue Varianten gibt. Dann müssen wir vorbereitet sein.“

Nach Angaben des Digitalverbands Bitkom werde die App immer noch von 37 Prozent der Menschen in Deutschland genutzt, heißt es in dem Bericht weiter. Rote Warnmeldungen tauchten inzwischen deutlich seltener auf den Smartphone-Displays auf. Nur einige Tausend Menschen meldeten zur Zeit pro Tag ihr positives Testergebnis Zum Höhepunkt der Omikron-Welle im März 2022 seien es mehr als Hunderttausend Meldungen täglich gewesen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat China vorgeworfen, das Ausmaß des aktuellen COVID-Ausbruchs zu verharmlosen und zu untertreiben. Zudem hat die WHO die „enge" Definition eines „COVID-Todesfalles" kritisiert. China dokumentiert nur diejenigen COVID-Patienten als COVID-Tote, die an Atemversagen gestorben sind. In den zwei Wochen vor dem 4. Januar meldete China weniger als 20 Todesfälle, wie aus den auf der Website des chinesischen Zentrums für Seuchenkontrolle und -prävention veröffentlichten Zahlen hervorgeht.

„Wir bitten China weiterhin um schnellere, regelmäßige und verlässliche Daten über Krankenhauseinweisungen und Todesfälle sowie um eine umfassendere Virussequenzierung in Echtzeit", sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Genf.

Sorgen bereitet Infektiologen derzeit die  Omikron-Untervariante XBB.1.5, die sich mit hoher Geschwindigkeit in den USA und Europa ausbreitet. Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte Anfang des Jahres geschätzt, dass XBB.1.5 in der Woche vor dem Jahreswechsel rund 40,5 Prozent aller Neuansteckungen in den USA ausgemacht hatte.

Laut dem Corona-Wochenbericht  des Robert-Koch-Instituts vom 22.12. 2022 wurde die neue Variante  wurde in mehr als 1 Prozent der sequenzierten Proben nachgewiesen. Gefährlicher als vorherige Varianten im Sinne besonders schwerer Krankheitsverläufe scheint sie nicht zu sein; allerdings könnte sie aufgrund größerer Infektiösität zu Problemen führen. Die im Oktober entdeckte Variante sei so leicht übertragbar wie keine der bisher bekannten Varianten, sagte WHO-Corona-Spezialistin Maria van Kerkhove am Mittwoch in Genf. „Hoffentlich kommen wir durch den Winter, bevor eine solche Variante sich bei uns ausbreiten kann“, so Karl Lauterbach auf Twitter.

Die Zahl akuter Atemwegserkrankungen ist in Deutschland zum Jahresende gesunken. Trotz des Rückgangs liegen die Werte allerdings über denen der Vorjahre, wie die Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert Koch-Institut in ihrem Wochenbericht berichtet. Für die letzte Dezemberwoche gehen die Experten von insgesamt rund 6,4 Millionen akuten Atemwegserkrankungen in der Bevölkerung aus, unabhängig von einem Arztbesuch. In der Woche vom 12. bis zum 18. Dezember lag dieser Wert noch bei neun Millionen. Seitdem sanken die Zahlen.Vor Weihnachten hatte die angespannte Lage des Gesundheitssystems Sorgen bereitet. Angesichts hoher Infektionszahlen waren Kliniken und Arztpraxen überlastet, teilweise wurden planbare Operationen abgesagt. Auch bestimmte Medikamente wie etwa Fiebersäfte waren knapp.

Der Ärzteverband Virchowbund plädiert dafür, Patienten nur noch an vier Tagen in der Woche zu behandeln. Mittwochs sollten alle Arztpraxen auf eine ambulante Versorgung von Patienten verzichten und den Tag stattdessen „zur Bewältigung der Bürokratie und zur Fortbildung“ nutzen, teilte der Berufsverband diese Woche mit. Begründet wird der Aufruf unter anderem damit, dass die Arztpraxen überlastet seien. Außerdem lohne sich der Betrieb einer Praxis immer weniger (Stichworte steigende Kosten und Budgets). „Leistungen, die nicht bezahlt werden, können auch nicht erbracht werden - deshalb müssen wir unsere Leistungen einschränken“, so Dr. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Virchowbunds. Außerdem mache eine Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich die Tätigkeit in Praxen für medizinische Fachangestellte attraktiver. Gleiches gelte aus Gründen der Familienfreundlichkeit auch für junge Ärztinnen und Ärzte. Kritisiert wird der Vorstoß von den Krankenkassen.