Karies & Co. bei Kindern begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Erwachsenenalter

  • JAMA Network Open

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft
Orale Infektionen bei Kindern sind möglicherweise ein Risiko für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Erwachsenenalter. Zu diesem Ergebnis kommt eine finnische Studie, die kürzlich in JAMA Network Open veröffentlicht wurde. Danach wiesen Kinder, die an Karies und/oder Parodontose erkrankt waren, als junge Erwachse eine höhere Intima-Media-Dicke der Karotisarterien auf.

Aus Studien weiß man, dass schwere Formen häufiger oraler Infektionen oder Entzündungen mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse verbunden sind. Der Frage, ob auch Karies und Parodontose im Kindesalter die Entwicklung von Herz-Kreislauferkrankungen im späteren Leben begünstigen, wurde bislang noch nicht nachgegangen.


Design
In einer prospektiven Kohortenstudie untersuchten Forscher um Pirkko Pussinen von der Universität Helsinki 755 Teilnehmer, die sich 1980 im Alter zwischen 7 und 12 Jahren einer zahnärztlichen Inspektion unterzogen hatten. Während nur knapp 5 % der Kinder weder Karies, Parodontose, Zahnfleischtaschen, Blutungen oder Zahnfüllungen aufwiesen, zeigten 61 % der Kinder 1 bis 3 Anzeichen und 34 % 4 Anzeichen einer oralen Infektion.  21 und/oder 27 Jahre später wurden bei den inzwischen jungen Erwachsenen (zwischen 28 und 35 Jahre) die Intima-Media-Dicke der Karotisarterien mittels Ultraschall gemessen.


Ergebnisse
Die finnischen Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass Karies und/oder Parodontose im Kindesalter in sehr vielen Fällen mit einer Zunahme der Intima-Media-Dicke im jungen Erwachsenenalter verbunden ist. So betrug bei Kindern mit einem bis 3 Zeichen einer oralen Infektion das relative Risiko (RR) einer Atherosklerose der Halsschlagader 1,74 (95-%-Konfidenzintervall 1,16 bis 2,62), bei 4 Zeichen war das Risiko sogar fast doppelt so hoch (RR 1,95; 1,28-3,00). Bemerkenswert war, dass bei Männern, die im Kindesalter unter Karies und/oder Parodontose litten, das Atheroskleroserisiko stärker ausgeprägt war als bei Frauen.


Klinische Bedeutung
Die Forscher räumen ein, dass Menschen, die selten Zähne putzen, auch häufiger als andere kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Übergewicht und Rauchen aufweisen. Trotz einer möglichen Verzerrung zeige die Untersuchung zum ersten Mal, dass orale Infektionen im Kindesalter ein modifizierbarer Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein können. Auf Zahnhygiene bei Kindern müsse daher großer Wert gelegt werden, da orale Infektionen unter anderem ein Zeichen für schlechte Mundhygiene sind.


Finanzierung: u.a. Academy of Finland , Diabetes Research Foundation of Finnish Diabetes Association, Social Insurance Institution of Finland