Kardiovaskuläre Prävention: Pillen machen offenbar träge


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Smalltalk
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Kernbotschaften

Wenn Patienten zur kardiovaskulären Prävention eine medikamentöse Therapie mit Antihypertensiva und Lipidsenkern beginnen, neigen sie offenbar dazu, sich weniger zu bewegen und im Laufe der Jahre dicker zu werden. Allerdings sinkt mit der Zeit ihr Alkohol-Konsum. Auch von Zigaretten halten sie sich dann eher fern. 

Etwas Askese sollte sein

Wer sich vor einem Herzinfarkt oder Schlaganfall schützen will, sollte gesund leben, sich also ausreichend bewegen, nicht rauchen und beim Essen und Alkoholkonsum Askese der Völlerei vorziehen. Dank des medizinischen Fortschrittes ist kardiovaskuläre Prävention, insbesondere Sekundärprävention, bekanntlich auch mit Medikamenten möglich und oft auch notwendig. Dabei besteht Konsens, dass die Kombination von Arzneimitteln mit einer gesunden Lebensweise für die meisten Menschen die beste Prävention ist. Wie allgemein bekannt ist allerdings der Geist der meisten Menschen willig, das Fleisch jedoch etwas schwach. Eine finnische Studie hat dies nun erneut gezeigt. 

Langzeit-Beobachtungsstudie 

An der Studie nahmen über 40.000 Personen der FPS-Studie (Finnish Public Sector) im Alter von ≥ 40 Jahren teil, die zu Studienbeginn frei von Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren. Die Studienteilnehmer mussten in den Jahren 2000 bis 2013 regelmäßig an Umfragen (alle vier Jahre) teilnehmen. Der Medikamenten-Gebrauch wurde anhand von Apotheken-Daten ermittelt. Verglichen wurden Änderungen des Body-Mass-Index, der körperlichen Aktivität, des Alkoholkonsums und des Nikotin-Konsums bei 8837 Personen, die eine Therapie mit Blutdrucksenkern oder Statinen begonnen hatten, und bei 46.021 Personen ohne Beginn einer solchen Medikation. 

Mehr Gewicht, weniger Alkohol und Zigaretten

Bei den Teilnehmern, die mit einer Medikation begonnen hatten, stieg der BMI stärker an als bei den Probanden der Vergleichsgruppe. Die körperliche Aktivität hingegen nahm bei medikamentös behandelten Personen ab. Statistische Berechnungen ergaben ein signifikant erhöhtes Risiko der Probanden mit Blutdrucksenkern und/oder Statinen, adipös zu werden (Odds Ratio: 1,82; 95% CI 1,63 – 2,03). Die finnischen Autoren haben allerdings auch Positives zu melden: Die medikamentös behandelten Teilnehmer reduzierten im Laufe der Zeit ihren Alkohol-Konsum (–1,85 g/Woche; 95% CI –3,67 bis –0,14); zudem verzichteten mehr von ihnen auf die Qualmerei.