Kardiovaskulärer Nutzen von Omega-3-Fettsäuren weiterhin nicht belegt


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) haben offenbar keinen oder nur geringen Einfluss auf die Mortalität und die kardiovaskuläre Gesundheit. Alphalinolensäure (ALA) senkt möglicherweise ein wenig das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, eine KHK und für Herzryhthmusstörungen. Die Qualität der wissenschaftlichen Belege hierfür ist allerdings gering.

Hintergrund

Die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie sowie die europäische Gesellschaft für Atherosklerose zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen von 2016 weisen darauf hin, dass der protektive Nutzen von Omega-3-Fettsäuren „diskussionswürdig“  ist. Die American Heart Association hingegen hält den Einsatz von Omega-3-Fettsäuren bei Patienten mit bekannter koronarer Herzerkrankung sowie eingeschränkter linksventrikulärer Funktion für sinnvoll. Die Ergebnisse der Studien zu der Nahrungsergänzung sind nicht homogen, so dass Metaanalysen gemacht werden, um die kardiovaskulären Wirkungen der Fettsäuren besser beurteilen zu können. In einer kürzlich publizierten Metaanalyse wurden nun zwischen der Einnahme von Omega-3-Fettsäure-Präparaten und kardiovaskulären Krankheiten sowie Ereignissen keine Zusammenhänge festgestellt. Bei Endpunkten wie kardiovaskulärer Tod, nicht-tödlicher Myokardinfarkt, Schlaganfall und Revaskularisation gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen Patienten mit Omega-3-Fettsäuren und Patienten mit Placebo. Ergebnisse einer systematischen Literatur-Analyse haben nun auch Wissenschaftler der Cochrane Collaboration vorgelegt. 

Design

Auswertung von 79 randomisierten und kontrollierten Studien (n = 112.059 Teilnehmer) zum Vergleich der Nahrungsergänzung oder dem Rat, die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren (Fischöl und pflanzlicher Herkunft) zu steigern, mit einem geringen oder üblichen Konsum. Die Studien mussten mindestens 12 Monaten dauern. Die Studienteilnehmer hatten unterschiedliche kardiovaskuläre Risikoprofile und kamen überwiegend aus wohlhabenden Ländern. In den meisten Studien nahmen die Teilnehmer LCn3-Kapseln (langkettige Omega-3-Fettsäuren inklusive EPA und DHA), in manchen Studien auch mit Fettsäuren angereicherte Lebensmittel.  Geprüft wurde, ob die Fettsäuren die Gesamtmortalität, die kardiovaskuläre Mortalität und Ereignisrate und relevante Stoffwechselparameter beeinflussen.

Hauptergebnisse

Den Berechnungen zufolge haben vermehrt zugeführte LCn3 keinen oder nur einen geringen Einfluss auf Gesamtmortalität, kardiovaskuläre Mortalität, kardiovaskuläre Ereignisrate, KHK-Sterblichkeit, Schlaganfall und Herzrhythmusstörungen. Auch ALA hat den Berechnungen zufolge wahrscheinlich keinen oder nur einen geringen Einfluss auf Gesamtmortalität, kardiovaskuläre Mortalität, und KHK-Ereignisrate.

Möglicherweise senkt ALA jedoch ein wenig das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (von 4,8% auf 4,7%, RR 0,95, 95% CI 0,83 -1,07) und vielleicht auch das Risiko für einen KHK-bedingten Tod (von 1,1% auf 1,0%, RR 0,95, 95% CI 0,72 -1,26) sowie für Arrhythmien (von 3,3% auf ,.6%, RR 0,79, 95% CI 0,57 - 1,10). Die Effekte auf das Schlaganfall-Risiko sind nach Angaben der Autoren unklar.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse sprechen eher gegen als für eine Nahrungsergänzung mit Omega-3-Fettsäuren. Sie stützen damit die oben genannte kürzlich publizierte Metaanalyse. Ein Grundproblem von Metaanalysen und auch dieser systematischen Cochrane-Analyse ist allerdings die Heterogenität der ausgewählten Studien. Aussagekräftigere Resultate werden von noch laufen Studien erwartet - etwa von der US-Studie VITAL („VITamin D and OmegA-3 TriaL).

Zur Finanzierung siehe die Angaben auf der Webseite des Cochrane-Netzwerks. Ein Grundprinzip ist der Verzicht auf Unterstützung durch Sponsoren mit kommerziellen Interessen.