Kardiologen-Kongress in München: Die Leistungsschau der Herz-Spezialisten


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Am Samstag beginnt in München der Kongress der Europäischen Kardiologen-Gesellschaft, einer der weltweit größten Kongresse in der Medizin.  Das Spektrum der Kongress-Themen reicht von der Epidemiologie von Herz-Kreislauf-Krankheiten über Risikofaktoren und Prävention bis hin zu den medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapien. Im Fokus stehen wie in den Jahren zuvor außer Untersuchungen aus der Grundlagenforschung auch wieder große klinische Studien. Wie jedes Jahr hat der Kongress ein Schwerpunktthema, dieses Jahr sind das Herzklappen-Erkrankungen. 

Ein kleines Potpourri der Studien

Auf dem Programm stehen unter anderen Studien zur ASS-Primärprävention, zur antithrombozytären Therapie und zur oralen Antikoagulation. Dazu zählt zum Beispiel die Hersteller-finanzierte MARINER-Studie. In ihr wird geprüft, ob Rivaroxaban bei Patienten, die wegen akuten Erkrankungen (etwa dekompensierte Herzinsuffizienz) stationär behandelt werden, venösen Thromboembolien vorbeugt. Rivaroxaban steht außerdem in der Placebo-kontrollierten COMMANDER-HF-Studie auf dem Prüfstand. Hier geht es um die Frage, ob eine orale Gerinnungshemmung die kardiovaskuläre Prognose von Patienten nach einer dekompensierten Herzinsuffizienz verbessert. 

Angekündigt ist außerdem die schottische High-STEAC-Studie mit 48.000 Teilnehmern. In ihr wird die Diagnostik mit einem hoch sensitiven Troponin-Test geprüft. Vorgestellt werden weitere Ergebnisse der weltweiten epidemiologischen Studie PURE zum Zusammenhang von Ernährung und kardiovaskulären Erkrankungen sowie Lebenserwartung.

Vorgestellt werden in München außerdem-Daten zur katheter-gestützten Aortenklappen-Implantation und auch zu perkutanen Mitralklappen-Eingriffen. Dazu gehört zum Beispiel die MITRA-FR-Studie). In der französischen Phase-3-Studie wird der Nutzen des MitraClip-Systems (Abbott Vascular) bei schweren Mitral-Regurgitationen geprüft. Präsentiert werden laut Programm zudem Daten der Studie CABANA zum Vergleich von Ablation und Antiarrhythmika bei Vorhofflimmern. In dieser Studie, die vor wenigen Monaten in den USA vorgestellt wurde, schnitt die Ablation nicht besser ab als die Medikation. Beim primären kombinierten Endpunkt (Gesamt-Mortalität, schwerer Schlaganfall, schwere Blutung und Herzstillstand) gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den beiden Studien-Gruppen. Allerdings werden in München angeblich nur Daten zur Häufigkeit von Vorhofflimmer-Episoden vorgestellt. 

Ein Thema sind in München auch die neuen ESC/ESH-Empfehlungen zur Hypertonie. Sie sehen weiterhin einen Grenzwert von 140/90 mmHg vor, behalten dies auch als prinzipielles Behandlungsziel, aber bei gut tolerierter Therapie sollte 130 mmHg als systolischer Wert angestrebt werden. Bei älteren Patienten werden allerdings auch höhere Schwellenwerte akzeptiert.

Klinische Bedeutung

In der kardiovaskulären Medizin hat es in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte gegeben, vor allem in den wohlhabenden Ländern. So starben 1990 in Deutschland noch 85.625 Menschen an einem Herzinfarkt, 2015 waren es 49.210.  Aber trotz aller Fortschritte ist die Krankheitslast durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit und auch in Deutschland weiterhin groß. Außerdem: Es wird immer schwerer und kostspieliger, den zusätzlichen Nutzen moderner Therapien in Relation zu den bereits verfügbaren und bewährten Therapien zu belegen. Wissenschaftliche Kreativität ist daher weiterhin erwünscht.