Kardialer Bypass: DE-Stents langfristig nicht besser als unbeschichtete Stents


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei einem kardialen Venen-Bypass sind Medikamenten-beschichtete Stents kurzfristig unbeschichten Metallstents recht deutlich überlegen; langfristig sind sie jedoch nicht besser.

Hintergrund

Wenn mehrere Herzkranzgefäße gefährlich verengt sind, erhalten die Patienten einen Bypass, für den oft Venen der Patienten verwendet werden. Aber auch so ein Bypass kann sich wieder verschließen. Für die Revaskularisierung einer solchen Bypass-Stenose können Medikamenten-beschichtete Stents (DE-Stents) oder unbeschichtete Metallstents verwendet werden. Kurzfristige Studienresultate sprechen für die beschichteten Stents.

Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) und des Deutschen Herzzentrums München (Klinik an der Technischen Universität München) haben nun in einer Studie untersucht, ob sich DE-Stents auch langfristig als die bessere Wahl erweisen. Denn die Aussagekraft bisheriger Studien zur Frage, welche Stent-Art langfristig in Venen-Bypässen besser funktioniert, ist begrenzt, da sie nur relativ kleine Patientengruppen untersuchten und auch die Dauer der Studien zu kurz war.

Design

In der Phase-4-Studie wurden 610 Patienten über fünf Jahre beobachtet, von denen 307 einen Bypass mit einem unbeschichteten Stent und 303 einen Venen-Bypass mit einem DE-Stent hatten. Primärer Endpunkt war die Kombination aus Tod, Herzinfarkt oder Revaskularisierung.

Hauptergebnisse

Innerhalb des ersten Jahres war die Ereignisrate (primärer Endpunkt) in der Gruppe mit DE-Stents zwar geringer als in der Vergleichsgruppe, der relative Unterschied betrug 36 Prozent. Dieser Unterschied wurde mit der Zeit allerdings immer geringer. Nach fünf Jahren gab es beim primären Endpunkt keinen signifikanten Unterschied mehr zwischen den Gruppen. In der Gruppe mit DE-Stents kam es bei 159 (55,5%) Patienten zu einem primären Endpunktereignis, in der Gruppe mit unbeschichteten Metallstents bei 157 (53,6%).

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse der Studie unterscheiden sich deutlich von Daten, die aus langfristigen Beobachtungen von Stents in natürlichen Herzkranzgefäßen vorliegen. Dort treten mit den Medikamenten-beschichteten Stents auch in den fünf Jahren nach der Wiedereröffnung weniger Gefäßverschlüsse auf. Ein Grund für die abweichenden Ergebnisse in Bypässen und natürlichen Blutgefäßen könnte die unterschiedliche Wandstruktur in Venen und Arterien sein. Für Bypässe wird meistens ein Stück aus der Beinvene verwendet. Bei den verengten Herzkranzgefäßen handelt es sich um Arterien. Dadurch reagieren Bypässe und natürliche Gefäße anders auf einen Stent. Ebenso ist der Durchmesser der Arterien üblicherweise kleiner als der eines Venen-Bypasses und Medikamenten-beschichtete Stents haben vor allem in Gefäßen mit einem geringen Durchmesser klare Vorteile gezeigt. „Es hätte deshalb auch sein können, dass wir in Venen-Bypässen gar keinen Vorteil der beschichteten Stents sehen“, so Dr. Robert Byrne, Stellvertretender Direktor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am Deutschen Herzzentrum München. 

„Wir empfehlen den Patienten mit einem verschlossenem Venen-Bypass auch weiterhin einen DE-Stent. Denn der Vorteil im ersten Jahr ist deutlich und überwiegt die vergleichsweise geringfügigen Nachteile in den Folgejahren“, wird Byrne in einer Mitteilung des Zentrums zitiert. „Aber ich finde es wichtig, dass unsere Patienten über die langfristigen Ergebnisse informiert sind.“

Mittlerweile gibt es eine neue Generation von Medikamenten-beschichteten Stents. Aufgrund der Erfahrungen mit den Vorläufer-Modellen ist bei ihnen die Medikamenten-Dosis angepasst. Außerdem sind ihre Streben dünner, sodass es zu weniger Gefäßverletzungen kommt, und ihre Polymer-Beschichtungen sind besser verträglich. Deshalb planen Byrne und seine Kollegen eine neue Studie, in der sie die langfristige Wirkung dieser neuen DE-Stents mit denen der unbeschichteten Stents in Venen-Bypässen vergleichen.

Finanzierung: Deutsches Herzzentrum München