Kardiale MRT liefert beim NSTEMI oft andere Befunde als die Angiographie

  • Circulation: Cardiovascular Interventions

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Patienten mit einem Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI) wurde mit der Kontrastmittel-Kernspintomographie in fast einem Drittel der Fälle eine andere Infarkt-relevante Koronararterie identifiziert als mit der konventionellen Angiographie. Bei mehr als einem Viertel der Patienten, bei denen ein revaskularisierender Eingriff vorgenommen wurde, wurden nur Koronararterien behandelt, die dem MRT-Befund nach nicht die „Übeltäter“ waren.

Hintergrund

Viele Patienten mit Nicht-ST-Hebungsinfarkt haben eine Mehrgefäßerkrankung oder eine nicht-signifikante Koronararterien-Erkrankung. Die Identifizierung der infarkt-relevanten Arterie kann daher bei diesen Patienten schwierig sein. Die Kernspintomographie kann aufgrund der hohen Auflösung eine auch bei kleinen Infarkten geeignete Methode sein, um das relevante Herzgefäß zu identifizieren. In der vorliegenden Studie wurde geprüft, ob die angiographische Diagnose mit der Kernspintomographie verbessert werden kann.

Design

Prospektive Studie, an der drei Kliniken teilnahmen. Aufgenommen wurden 118 Patienten, die erstmals einen Infarkt (NSTEMI) erlitten hatten. Bei den Patienten wurde zunächst ein kardiales MRT vorgenommen, dann eine Koronarangiographie. Der therapierende Kardiologie kannte das MRT-Ergebnis nicht. MRT- und Angiographie-Befunde wurden später unabhängig voneinander erhoben. Ausgewertet wurden die Befunde von insgesamt 114 Patienten.

Hauptergebnisse

  • Bei 37 Prozent der Patienten (n = 42) konnten die Infarkt-relevante Arterie angiographisch nicht identifiziert werden.
  • In 60 und 19 Prozent dieser Fälle, in denen die Angiographie nicht weiterhelfen konnte, wurde kernspintomographisch entweder die infarkt-relevante Arterie oder eine nicht-koronare-Erkrankung (etwa Myokarditis, Takotsubo Kardiomyopathie und kardiale Amyloidose) erkannt.
  • Bei Patienten, bei denen angiographisch ein Infarkt-relevantes Gefäß identifiziert wurde, ergab die MRT in 14 und 13 Prozent der Fälle entweder eine andere Infarkt-relevante Arterie oder eine nicht-koronare Myokard-Erkrankung.
  • In 31 Prozent der Fälle führte die MRT zur Diagnose einer neuen Infarkt-relevanten Koronararterie.
  • Bei 27 Prozent der 55 Patienten mit revaskularisierendem Eingriff wurde ein Gefäß behandelt, das kernspintomographisch nicht der „Übeltäter“ war. 

Klinische Bedeutung

Die Studie bestätigt, dass bei Patienten mit NSTEMI die Therapie-relevante Diagnostik eine Herausforderung sein kann. Zudem zeigt sie, dass man sich -insbesondere vor einem revaskularisierenden Eingriff wie einer PCI - nicht allein auf die Angiographie verlassen sollte. Die MRT liefert darüber hinaus Befunde, die für die Wahl der Therapie relevant sein können - und zudem für künftige wissenschaftliche Studien. 

Finanzierung: Keine Angaben. Einer der Autoren, Raymond J. Kim, hat wesentliche Erkenntnisse für  ein Patent zur kardialen MRT geliefert, wobei die  Northwestern University Inhaber des Patentes ist.