Kanadische Behörde veröffentlicht Review zum Nutzen von Cannabis gegen Schmerzen

  • Canadian Agency for Drugs and Technologies in Health

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Übersichtsarbeit einer kanadischen Behörde findet nur wenig aussagekräftige Literatur zum Nutzen medizinischer Cannabis-Produkte gegen chronische Schmerzen. Den größten Effekt scheinen sie bei neuropathischen Schmerzen zu haben.

Hintergrund

Chronische Schmerzen sind ein globales Problem; ihre Prävalenz im Herkunftsland des neuen Berichts wird bei Erwachsenen mit 25 % angegeben. Dort – in Kanada – besteht auch ein wachsendes Interesse am Gebrauch von Cannabis-basierten Medizinprodukten gegen Schmerzen. Der Kauf und Konsum ist seit Oktober 2018 legalisiert, der medizinische Gebrauch wurde bereits 2001 freigegeben.

Design

Übersichtsarbeit zur klinischen Wirksamkeit von medizinischem Cannabis bei der Behandlung chronischer Schmerzen anhand einer begrenzten Literatursuche (z.B. nur englische Sprache und im Zeitraum von 2014 bis Mitte 2019). Außerdem sollte der Bericht die Evidenz-basierten Leitlinien zu dieser Indikation überprüfen.

Ergebnisse

  • 644 Literaturverweise wurden gefunden, es entsprachen aber nur 11 Publikationen den Qualitätskriterien der Studie.
  • Basierend auf 4 Übersichtsarbeiten und einem systematischen Review existierender Leitlinien gibt es Anhaltspunkte („some suggestion“) für den Nutzen Cannabis-basierter Arzneien gegen neuropathische Schmerzen.
  • Die Befunde sind dagegen inkonsistent bei Patienten mit Fibromyalgien, Schmerzen des Bewegungsapparates, Morbus Crohn und Multipler Sklerose.
  • Aus 6 Leitlinien, die sich hauptsächlich mit neuropathischen Schmerzen befassten, wird abgeleitet, dass „Cannabis-basierte Arzneien als Behandlungsoption bei Patienten mit neuropathischen Schmerzen, mit chronischen Schmerzen bei Krebserkrankungen, sowie bei chronischen nicht krebsbedingten Schmerzen und nicht-neuropathischen Schmerzen erwogen werden können – aber mit einigen Einschränkungen“.
  • Zwei Leitlinien sprachen sich explizit gegen Cannabis-basierte Arzneien bei Fibromyalgien und Rückenschmerzen aus, eine Leitlinie war gegen deren Gebrauch bei Kopfschmerzen, rheumatoider Arthritis und Osteoarthritis.
  • Eine Leitlinie befand, dass bei Multipler Sklerose ein Nutzen möglich sei, dass dies aber von der Art des Cannabis-Produktes und dem Zustand der Patienten abhänge.

Klinische Bedeutung

Der hier von einer staatlichen Behörde initiierte Review ist im Umfang begrenzt und darf bezüglich der Quellen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. In der Literaturdatenbank PubMed gehört er dennoch zu den besonders beachteten Publikationen und könnte daher zu einer Versachlichung der mitunter sehr emotional geführten Diskussion über die klinische Relevanz von Cannabis in der Schmerztherapie beitragen.

Finanzierung: Canadian Agency for Drugs and Technologies in Health.