Kaiserschnitt versus vaginale Entbindung: Die Geburtsform beeinflusst wesentlich das Mikrobiom des Kindes

  • Nature

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei einer Entbindung durch Kaiserschnitt ist die Zusammensetzung der Darmflora des Kindes im Vergleich mit einer vaginalen Geburt verändert: potenziell pathogene Bakterien der Gattungen Enterococcus, Enterobacter, Klebsiella und Clostridium treten in den ersten Lebensmonaten eines Kindes, das durch Kaiserschnitt auf die Welt kam, deutlich häufiger auf als nach vaginaler Geburt. Außerdem gibt es mehr Bakterienstämme mit Antibiotikaresistenzen.

Hintergrund
Das Mikrobiom, also die Gesamtheit der den Menschen besiedelnden Mikroben (Pro- und Eukaryonten, Viren), haben eine überlebenswichtige Bedeutung für die Immunmodulation und für die Gesundheit des Menschen insgesamt. Bestimmte Bakterienspezies sind „Friedensstifter“ im Darm und halten Epithelien und Darmbarriere intakt, andere reduzieren eher die Integrität der Darmmukosa. Die individuelle Mikroben-Besiedelung wird von Kontakten mit der Umwelt bestimmt. Zu den ersten Umweltkontakten gehört die vaginale Schleimhaut während der Geburt. Die bislang größte Studie zur Frage, wie der Geburtsmodus das Mikrobiom des Kindes beeinflusst, ist jetzt in Nature veröffentlicht worden.

Design

  • Hochdurchsatz-Sequenzierungen von mikrobiellen Genomen aus Fäzes von Kindern kurz nach der Geburt und mehrfach im Verlauf der ersten 9 bis 12 Lebensmonate
  • Proben von 596 Neugeborenen mit normalem Reifungsgrad wurden untersucht, davon waren 314 nach vaginaler Entbindung auf die Welt gekommen und 282 nach Kaiserschnitt

Hauptergebnisse

Nach operativer Entbindung der Mutter fanden sich bei 83 % der Kinder in den Fäzes opportunistische Krankheitserreger. Es dominierten bei den Bakterien Enterococcus faecium und faecalis, Staphylococcus epidermidis, Klebsiella oxytoca und pneumoniae, Enterobacter cloacae und Clostridium perfringens. Diese Bakterien sind Kommensalen der Krankenhausumgebung. Bei den Kindern, die auf natürlichem Weg geboren wurden, hatten nur 49 % opportunistische Krankheitserreger im Darm. Es dominierten Bifidobakterien, Escherichia coli und Bacteroides-Spezies. Die Unterschiede bestanden auch dann, wenn differenziert wurde unter dem Aspekt, ob die Babies gestillt wurden oder nicht. Nach Kaiserschnittentbindung traten auch häufiger antibiotikaresistente Bakterienstämme auf. Die Variationsbreite der Stämme wurde vorrangig beeinflusst durch Antibiotikaanwendungen der Mutter während der Schwangerschaft.

Kl inis che Bedeutung

Der Einfluss, den der Geburtsmodus auf das Mikrobiom des Neugeborenen hat, werde derzeit unterschätzt, so die Autoren. Die ersten beiden Lebensjahre des Kindes seien eine vulnerable Phase, in der das Kind besonders von einem schützenden Mikrobiom profitiere, da das Immunsystem noch ausreife. Es sollte nun untersucht werden, ob es Langzeitfolgen solcher Unterschiede im Mikrobiom gibt.

Finanzierung: keine Angaben