Kaffeekonsum beim fortgeschrittenen Darmkrebs mit niedrigerer Mortalität assoziiert

  • JAMA Oncology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Kaffee trinkende Patienten mit fortgeschritten bzw. metastasierten kolorektalen Karzinomen hatten in einer prospektiven Untersuchung ein niedrigeres Progressions- und Mortalitätsrisiko als Patienten ohne Kaffeekonsum. Die Assoziation scheint abhängig von der konsumierten Menge, aber nicht vom Koffeingehalt des Getränks.

Hintergrund

Zahlreiche Studien haben Hinweise auf eine geringe Gesamtsterblichkeit unter Kaffeetrinkern ergeben, wie auch ein niedrigeres Risiko für Krebserkrankungen, etwa der Brust oder des Endometriums. Beim Darmkrebs gibt es eine Assoziation mit einer verringerten Rückfallrate und Mortalität. Die Beziehung zwischen Kaffeekonsum und dem Überleben wurde jedoch noch nicht für Patienten mit fortgeschrittenen oder metastasierten kolorektalen Karzinomen ermittelt.

Design

Prospektive Beobachtungsstudie mit 1171 Patienten, die an zuvor unbehandelten, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten kolorektalen Karzinomen litten, und die in der Phase-3-Studie SWOG 80404 eingeschrieben waren, bei der die Wirksamkeit von Cetuximab und / oder Bevacicumab gegenüber einer Standardchemotherapie getestet wurde. Die Patienten hatten zum Zeitpunkt der Aufnahme anhand eines semiquantitativen Fragebogens über ihre Ernährungsgewohnheiten berichtet.

Ergebnisse

  • Das mediane Alter der Teilnehmer betrug 59 Jahre; sie waren zu 59 % männlich und wurden median 5,4 Jahre lang nachverfolgt. Bei 93 % war die Krankheit im Untersuchungszeitraum entweder fortgeschritten, oder sie waren verstorben.
  • Ein erhöhter Kaffeekonsum war mit einem niedrigeren Progressionsrisiko assoziiert. Das Chancenverhältnis HR für jede zusätzliche Tasse / Tag betrug 0,95 (95%-Konfidenzintervall 0,91 – 1,00; P = 0,04).
  • Auch das Sterberisiko nahm mit jeder zusätzlichen Tasse Kaffee / Tag ab: HR 0,93; 95%-KI 0,89 – 0,98; P = 0,004).
  • Je mehr Kaffee getrunken wurde, umso geringer erschien das Risiko im Vergleich zu Patienten, die keinen Kaffee getrunken hatten. Bei 2 – 3 Tassen war die multivariable HR 0,82 sowohl für das Gesamtüberleben als auch für das progressionsfreie Überleben. Ab 4 Tassen täglich betrugen diese HR 0,64 bzw. 0,78.
  • Die Zusammenhänge waren statistisch signifikant, und zwar sowohl für Kaffee mit, als auch ohne Koffein.

Klinische Bedeutung

Da der Kaffeekonsum zu Beginn der Studie erfasst wurde, ist eine Verzerrung (Bias) unwahrscheinlich. Auch wenn ein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang schwer zu beweisen ist, so ist das Ergebnis doch im Einklang mit einer Reihe anderer Studien zum Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Krebsentstehung / Entwicklung. Nach Kenntnis der Autoren ist dies allerdings die erste, die einen protektiven Effekt des Kaffeekonsums beim fortgeschrittenen Darmkrebs zeigt.

Finanzierung: National Cancer Institute, Alliance for Clinical Trials in Oncology and Alliance Foundation Trials.