Junge Schlaganfall-Patienten haben eine langfristig eingeschränkte Prognose

  • JAMA

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Junge Schlaganfall-Patienten haben ein langfristig erhöhtes Mortalitätsrisiko. 

Hintergrund

Schlaganfälle sind eine der weltweit häufigsten Todesursache. Betroffen sind nicht nur alte Menschen. Rund 10 bis 15 Prozent aller Schlaganfälle treten bei jungen Menschen auf. Insbesondere bei diesen Patienten existieren nur relativ wenige Daten zum Verlauf und zur Prognose.

Design

Register-basierte Kohortenstudie in den Niederlanden mit den Daten von 15527 Patienten, die in den Jahren 1998 bis 2010 im Alter von 18 bis 49 Jahren erstmals einen Schlaganfall hatten (medianes Alter 44 Jahre, 53,3 Prozent Frauen). 8444 Patienten (55,3%) hatten einen ischämischen Schlaganfall, 3077 (20,2%) eine intrazerebrale Blutung und 3736 (24,5%) einen nicht näher spezifizierten Schlaganfall. Berechnet wurde unter anderem die kumulative 15-Jahres-Gesamtmortalität bei Patienten, die 30 Tage nach dem Schlaganfall noch lebten. 

Hauptergebnisse

  • Die kumulative 15-Jahresmortalität betrug 17,0% (95% CI, 16,2%-17,9%).
  • Die Berechnungen ergaben eine Mortalitätsrate von 13,3 pro 1000 Personen-Jahre; ausgehend von einer Mortalität in der Gesamtbevölkerung von 2,4 pro 1000 Personen-Jahre ergibt dies eine Exzess-Mortalität von 10,9 pro 1000 Personen-Jahre.
  • Die Rate für ischämische Schlaganfälle betrug 12,0 pro 1000 Personen-Jahre, was bei einer erwarteten Rate in der Allgemeinbevölkerung von 2,4 einer Exzess-Mortalität von 9,6 pro 1000 Personen-Jahre entspricht.
  • Eine noch größere Übersterblichkeit ermittelten die Autoren bei Patienten mit intrazerebralen Blutungen: Hier ergaben die Berechnungen eine Exzess-Mortalität von 16,5 pro 1000 Personen-Jahre (18,7 versus 2,2).
  • Häufige Todesurachen waren Malignome (knapp 33 Prozent), in rund 15 Prozent der Todesfälle handelte es sich um schlaganfall-assoziierte Ursachen, bei 17 Prozent um kardiale oder andere vaskuläre Ursachen. 

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse lassen annehmen, dass junge Schlaganfall-Patienten – trotz Therapie auch der Risikofaktoren – im Vergleich auch langfristig eine schlechtere Prognose haben. Die Arbeit liefert vor allem eine Fülle von Daten zum langjährigen Verlauf, die für die Versorgung von Schlaganfall-Patienten genutzt werden könnten. Eingeschränkt wird die Aussagekraft zum einen durch die methodisch bedingte Möglichkeit von Störfaktoren, zum anderen dadurch, dass es sich allein um Daten aus einem Land handelt. Zudem stammen die Daten aus der Ära vor der mechanischen Thrombektomie bei ischämischen Schlaganfällen. 

Finanzierung: Niederländische Herzstiftung