Junge Krebspatienten sind durch Geld- und Zukunftsängste besonders stark belastet

  • Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V.

  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs hat die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. (DGHO) darauf hingewiesen, dass insbesondere jungen Krebspatienten unter finanziellen Belastungen und sozialen Absicherungslücken leiden. Gefordert werden daher konkrete Schritte zur Verbesserung der Datenbestände und die Entwicklung ganzheitlicher Therapieansätze, die differenzierte Lebensplanungsmodelle für junge Betroffene einbeziehen.

Hintergrund

Mehr als 80% der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Krebs können heute geheilt werden. Doch die Erkrankung und die notwendige Behandlung führen oft zu schweren Belastungen, die weit über die medizinischen Therapiemaßnahmen hinausgehen.

Um die aktuellen Datenbestände zu diesem Thema zu analysieren, hat die DGHO zwei Studien zur Lebensqualität junger Krebspatienten in Deutschland und weitere 64 internationale Publikationen analysiert und konkrete Schritte zur Verbesserung der finanziellen und sozialen Situation der Betroffenen veröffentlicht.

Starke finanzielle und soziale Auswirkungen für Betroffene

Die Situationsanalyse ergab, dass in Deutschland Krebserkrankung bei jungen Menschen auch unmittelbar mit einer finanziellen Belastung zusammenhängen. Diese entstehen primär durch Zuzahlungen und Kosten, die nicht von den Sozialversicherungen getragen werden. Sekundär führen langwierige Krebstherapien sehr oft zu Einkommensverlusten durch verzögerte oder problematische Wiedereinstiege in die Arbeitswelt.

Konkret zeigt die DGHO auf, dass Behandlungen, die länger als 78 Wochen andauern, oft mit einer Erwerbsminderungsrente einhergehen. Im mittleren Lebensalter zwischen 30 und 44 Jahren bedeutet dies, dass Patienten mit 800 Euro im Monat auskommen müssen. Junge Auszubildende, die noch keine Leistungsansprüche erworben haben, rutschen durch eine Krebstherapie sehr oft nach kurzer Zeit auf ein Sozialhilfeniveau ab.

Praktische Ratschläge für Entscheidungsträger und Betroffene

Um praktische Ratschläge für die Gesundheitspolitik und Betroffene geben zu können, hat die DGHO eine Informationsbroschüre erarbeitet. In dieser kritisiert die DGHO die diffuse Datenlage und fordert, die vielschichtige Problematik durch vereinheitlichte Datensysteme besser zu erfassen. Es sei demnach wichtig, die deutsche Forschung zu finanziellen und sozialen Folgen von Krebs zu intensivieren. Die Politik müsse dazu die organisatorischen, rechtlichen und finanziellen Voraussetzungen schaffen, um Analysen zu diesem Thema durchführen zu können. So sollen neue ganzheitliche Therapieansätze für junge Krebspatienten entstehen, die über BAföG, Krankengeld, Rehabilitationsmaßnahmen und Schwerbehindertenausweise hinaus gehen.

Finanzierung: Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V.