Junge Diabetiker: Die Hälfte hat schon eine diastolische Dysfunktion


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Konferenzberichte by Medscape
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Kernbotschaften

Gut die Hälfte der Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit einem seit 10 Jahren bestehenden Typ-1- oder Typ-2-Diabetes zeigte in einer Multicenter-Echokardiografie-Studie eine diastolische Dysfunktion, die als direkte Vorstufe einer Herzinsuffizienz gilt. Die Ergebnisse der Studie wurden beim online abgehaltenen 80. Jahreskongress der American Diabetes Association (ADA) vorgestellt.

Studie mit fast 500 Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Bewertet wurden die Ergebnisse einer Gewebe-Doppler-Echokardiografie von 479 US-amerikanischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Von diesen hatten 258 einen Typ-1-Diabetes und 221 einen Typ 2. Bei 58% der Patienten mit Typ 2 und 47% mit Typ 1 fand sich in der Bildgebung mindestens ein Marker für eine Ventrikelsteifigkeit als Ausdruck einer diastolischen Dysfunktion. Die Typ-1-Patienten waren im Durchschnitt 21 Jahre alt und hatten im Mittel seit 12 Jahren einen diagnostizierten Diabetes, während die Typ-2-Patienten im Schnitt 25 Jahre alt und seit durchschnittlich 11 Jahren zuckerkrank waren.

In der Analyse wurden auch mehrere Messgrößen identifiziert, die signifikant mit dem Vorliegen einer diastolischen Dysfunktion korrelierten: höheres Alter, weibliches Geschlecht, nicht-weiße Ethnie, Typ-2-Diabetes, höhere Herzfrequenz, erhöhter Body-Mass-Index (BMI), erhöhter systolischer Blutdruck und höhere HbA1c-Werte.

„Unsere Daten legen nahe, dass bei diesen Patienten die modifizierbaren Risikofaktoren angegangen werden sollten“, um dadurch den Prozess, der die diastolische Dysfunktion verursacht, zu verlangsamen, sagte Dr. Amy S. Shah beim ADA-Kongress. Die pädiatrische Endokrinologin und Leiterin des Programms für Typ-2-Diabetes bei Jugendlichen am Children's Hospital Medical Center in Cincinnati nannte insbesondere Interventionen, die darauf abzielten, den BMI und den Blutdruck zu senken sowie die Blutzuckerkontrolle zu verbessern, und die einen Typ-2-Diabetes gar nicht erst entstehen ließen.

Es sei enorm wichtig, dem Typ-2-Diabetes vorzubeugen und zu verhindern, dass sich eine diastolische Dysfunktion entwickelt und fortschreitet, weil die Versteifung der linken Herzkammer erhebliche klinische Folgen hat. Die diastolische Dysfunktion führt zu einem erhöhten diastolischen Druck in der linken Herzkammer, zu einer linksatrialen Dysfunktion und schließlich zu einer Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion. Diese Diabetes-Komplikation sei durchaus häufig, und aktuell existiere dagegen keine erwiesenermaßen wirksame Therapie, sagte Shah.

Dr. Robert A. Gabbay, wissenschaftlicher und medizinischer Leiter der ADA hält es in einem Kommentar für „sehr besorgniserregend, dass die diastolische Dysfunktion in dieser Altersgruppe so weit verbreitet ist. Eine wichtige Frage ist, ob sich der Zustand verbessern kann, wenn man die Risikofaktoren verringert.“ Er wies darauf hin, wie wichtig es sei, den Befund in weiteren Kohorten zu bestätigen und prospektive Studien durchzuführen, die sich mit den Effekten einer Risikofaktor-Modifikation befassen.

3 Messgrößen lassen eine diastolische Dysfunktion erkennen

Shah und ihr Team verwendeten Daten, die in den USA an Patienten aus 4 Zentren gesammelt worden, die an der Studie SEARCH for Diabetes in Youth teilnahmen und sich zwischen 2016 und 2019 einer Gewebe-Doppler-Untersuchung unterzogen hatten. Aus den Scans waren 3 Messgrößen abgeleitet worden, die eine diastolische Dysfunktion erkennen lassen:

  • Das E/A-Verhältnis, d.h. das Verhältnis der Maximalgeschwindigkeit bei der frühen, passiven Füllung des linken Vorhofs (E-Welle) zur Maximalgeschwindigkeit der atrialen Flusswelle (A) in der späten Diastole durch Vorhofkontraktion: Niedrigere Werte spiegeln eine schlechtere Pathologie wider.
  • Das E/e'-Verhältnis, also das Verhältnis der frühen Flusswelle über der Mitralklappe (E) zur passiven linksventrikulären Füllung in der frühen Diastole (e'): Höhere Werte spiegeln eine schlechtere Pathologie wider.
  • Das e'/a'-Verhältnis – es vergleicht das Ausmaß der Herzwandrelaxation in der frühen Diastole (e') mit der Herzwandrelaxation in der späten Diastole (a'): Niedrigere Werte bedeuten einen schlechteren Zustand.

Die häufigste Anomalie betraf das e'/a'-Verhältnis, das bei etwa 38% der Typ-2-Diabetiker und bei etwa 23% der Patienten mit Typ-1-Diabetes pathologisch war. Am zweithäufigsten war ein abnormal hohes E/e'-Verhältnis. Ein abnormal niedriges E/A-Verhältnis fiel bei weniger als 10% der Patienten auf. Sowohl die E/A- als auch die E/e'-Werte waren bei Typ-2-Diabetikern im Vergleich zum Typ 1 signifikant schlechter. Es gab allerdings keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den beiden Untergruppen hinsichtlich der Prävalenz einer E/A-Anomalie nach Adjustierung der Werte hinsichtlich BMI, Blutdruck und HbA1c-Wert.

Der durchschnittliche BMI betrug bei den 221 untersuchten Typ-2-Diabetikern 38 kg/m2, 74% waren Mädchen oder Frauen, 57% waren nicht hispanische Schwarze und 24% nicht hispanische Weiße. Der durchschnittliche Blutdruck unter den Typ-2-Diabetikern lag bei 123/80 mmHg, während er bei den 258 Patienten mit Typ-1-Diabetes 110/72 mmHg betrug.

 

Dieser Artikel von Mitchel L. Zoler wurde von Markus Vieten aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.