Jugendliche Sportkletterer: „Exzesse“ fördern Früharthrose

  • Sports Orthopaedics and Traumatology

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften 

Sportklettern boomt; auch bei Kindern und Jugendlichen ist die Sportart, die 2020 auch olympisch sein wird, beliebt, Wie alles, was Spaß macht, hat aber auch das sportliche Klettern Schattenseiten, und zwar Verletzungen. Ein Team um den Bamberger Orthopäden und Unfallchirurgen Professor Volker Schöffl hat sich die Daten zu Kletterverletzungen bei Kindern und Jugendlichen genauer angeschaut. Die Ergebnisse sollen beim Jahres-Kongress der GOTS in Salzburg vorgestellt werden. 

Schöffl und seine Kollegen haben über 250 Veröffentlichungen zu dem Themenkomplex Kletterverletzungen und jugendliche Kletterer (unter 18 Jahre alt) herausgesucht. Jugendliche Kletterer wurden als jünger als 18 Jahre definiert. Die Graduierung der Verletzungsschwere erfolgte mittels UIAA Score.

Mehr Epiphysenverletzungen

Eine Studie mit 116 jugendlichen Kletterern ergab eine Inzidenz von 4,44 Verletzungen pro 1000 Stunden Sportausübung. Am häufigsten betroffen: Fingerverletzungen (21%), Schulterverletzungen (15%) sowie Knie- (9%) und Sprunggelenksverletzungen (9%). Dieses Resultat decke sich mit den Ergebnissen von anderen, auch eigenen Untersuchungen, so Schöffl. Die Zahl an Epiphysenverletzungen nehme dabei deutlich zu. Die meisten Verletzungen waren Überlastungen (69,2%), seltener akute Traumata (30,8%). 

Verletzungsrate und -schwere gering, aber vermutlich zunehmend

In allen Studien seien nur Verletzungen vom UIAA Grad I bis II und keine höherwertigen Verletzungen festgestellt worden. Die meisten Verletzungen seien Verstauchungen, Zerrungen und Frakturen gewesen. Die Tenosynovitis der Finger sei wie bei Erwachsenen die häufigste Überlastungsreaktion gewesen. Jugendliche Kletterer haben einer Studie zufolge ein höheres Risiko als Kinder. Ein Zusammenhang zwischen Verletzungsrisiko und Kletterniveau, Körpergröße oder -gewicht sei nicht festgestellt worden.

Die Verletzungsrate und -schwere bei Kindern  und Jugendlich sei zwar gering, so Schöffl und seine Kollegen. Die Rate werde „im Rahmen der Professionalisierung der Sportart“ vermutlich jedoch zunehmen. Es sei daher wichtig, noch weitere Erkenntnisse zur Prophylaxe und Prävention zu ermitteln, denn hierzu fehlten noch wichtige Daten. Insbesondere epiphysäre Verletzungen der Wachstumszonen an den Fingern und die Frage der Entstehung einer Fingerarthrose müssten weiter prospektiv untersucht werden.

Früharthrose: Risiko „Campusboardtraining” 

Ein weitere Folge des Sportkletterns kann eine Arthrose sein, wie eine weitere Untersuchung des Bamberger Orthopäden und Unfallchirurgen gezeigt hat. Die Ergebnisse sollen ebenfalls in Salzburg vorgestellt werden. In dieser Kohortenanalyse haben Schöffl und seine Kollegen 19 Mitglieder der Deutschen Jugendkletternationalmannschaft (DJN) und 18 Freizeitkletterer (FZK) 1999 klinisch und radiologisch untersucht und 2011 reevaluiert. Der mittlere Follow-up betrug 11,3 Jahre. 

Nach Angaben der Autoren konnten 15 von 19 (78,9%) Kletterer der DJN und 13 von 18 (72,2%) der FZK mit einem Durchschnittsalter von knapp 27 Jahren nachuntersucht werden. Fünf der DJN (33%) hätten eine Bewegungseinschränkung der Finger gezeigt; in der FZK -Gruppe ein Sportler (8%). Bei 80% der DJN und 46% der FZK  seien radiologische Stressreaktionen (festgestellt worden: Kortikalishypertrophie (73% DJN, 23% FZK), subchondrale Sklerosierung (80% DJN, 31% FZK), verbreiterte Gelenkbasis PIP (67% DJN, 38% FZK), verbreiterte Gelenkbasis DIP (51% DJN, 31% FZK). 

Trainingsintensität (1999) und Körpergewicht (1999)  seien signifikante Faktoren für die Entwicklung von radiologischen Belastungsanpassungen. Frühzeichen einer Osteoarthrose hätten sich bei gesamt sechs Kletterern (4 DJN (27%), 2 FZK (15%) gezeigt. Signifikante Einflussfaktoren für die Entwicklung einer Früharthrose waren laut Schöffl die Gesamtanzahl an Trainingsjahren, ein „Campusboardtraining” (1999) und das Kletterniveau. Die Analyse der Trainingsmethoden habe ergeben, dass ein intensives Fingerkrafttraining die Entstehung einer Früharthrose fördere. Auch der gekletterte Schwierigkeitsgrad korreliere den Daten nach mit dem Arthroserisiko.

Finanzierung: keine Angaben