Jugendliche Patienten mit therapieresistenten Epilepsien könnten von Cannabidiol profitieren


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Kinder und Jugendlich mit schweren, seltenen und therapieresistenten Epilepsieformen profitieren häufig von der zusätzlichen Gabe des Cannabis-Inhaltsstoffes Cannabidiol. Die durchschnittliche Zahl der Anfälle verringerte sich; Anfallsfreiheit wurde sechs Mal häufiger erreicht als unter Placebo.

Hauptergebnisse

  • Die Autoren konnten für ihren Review 36 Studien identifizieren, darunter waren 30 Beobachtungsstudien mit 2685 Patienten und 6 randomisierte, kontrollierte Studien (RCT) mit 555 Patienten.
  • Das Durchschnittsalter der Teilnehmer war 16,1 Jahre; die Evidenz aus RCT stammte zumeist von pädiatrischen Patienten mit seltenen und schweren Epilepsieformen.
  • Auf 2 RCT mit 291 Patienten beruht die Erkenntnis, dass Cannabidiol in einer Dosierung von 20mg/kg/Tag wirksamer darin war, die Anfallsfrequenz um mindestens 50 % zu senken, als Placebo (Quotenverhältnis 1,74). Durchschnittlich 8 Patienten mussten behandelt werden, um solch einen Erfolg zu erzielen.
  • In 3 RCT mit 306 Patienten wurde unter Cannabidiol deutlich häufiger Anfallsfreiheit erreicht, als unter Placebo (Quotenverhältnis 6,17). Auch die Lebensqualität war häufiger verbessert (Verhältnis 1,73). Dem Stand jedoch ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen insgesamt und für schwere Nebenwirkungen gegenüber (1,24 bzw 2,55).
  • Die gepoolten Daten von 17 Beobachtungsstudien mit Cannabinoiden zeigten mindestens halbierte Anfallsraten bei 48,5 % der Patienten, aus 14 solcher Studien wurde Anfallsfreiheit bei durchschnittlich 8,5 % der Patienten berichtet, und aus 12 Studien eine verbesserte Lebensqualität bei 55,8 %. In dieser letzten Gruppe traten Nebenwirkungen bei 50,6 % der Patienten auf und schwere Nebenwirkungen bei 2,2 %.

Design

  • Systematischer Review von kontrollierten und Beobachtungsstudien zum Nutzen einer Zusatztherapie mit Cannabinoiden bei behandlungsresistenter Epilepsie.
  • Gesucht wurde in den Datenbanken Medline, Embase und PsychINFO nach einer mindestens 50-prozentigen Reduktion der Krampfanfälle, vollständiger Anfallsfreiheit und Verbesserung der Lebensqualität.
  • Die Verträglichkeit und Sicherheit wurden erhoben anhand von Studienabbrüchen, Nebenwirkungen und schweren Nebenwirkungen.
  • Finanzierung: Commonwealth Department of Health, NSW Government Centre for Medicinal Cannabis Research and Innovation, Victorian Department of Health and Human Services und Queensland Department of Health.

Klinische Bedeutung

Die relativ große Datenbasis für diesen Review spricht dafür, dass die beobachteten positiven Effekte des Cannabidiol – wie auch die Nebenwirkungen - nicht auf Zufall oder Verzerrungen beruhen. Allerdings handelte es sich überwiegend um jugendliche Studienteilnehmer mit therapieresistenten, seltenen und schweren Epilepsieformen. Das Ergebnis kann daher nicht ohne zusätzliche Evidenz auf andere Altersgruppen und Epilepsieformen übertragen werden.