Jeder zwölfte Erwachsene in Deutschland hat die Diagnose „Asthma“ bekommen

  • Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Etwa 8 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben im Laufe ihres Lebens eine Asthma-Diagnose erhalten. Etwa die Hälfte von ihnen wurde deshalb im vergangenen Jahr behandelt.

Hintergrund

Das Asthma bronchiale gehört mit einer Prävalenz von etwa 6 % zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland. Im Gegensatz zu der bereits im Kindesalter auftretenden Form sei über das Late oder Adult-onset Asthma (AOA) noch relativ wenig bekannt, schreiben die Autoren der aktuellen Studie. Selbst die Definition ist nicht einheitlich, denn das AOA beginnt je nach Einschätzung bereits ab dem 12. oder erst ab dem 65. Lebensjahr.

Design

Die vorliegende Arbeit ist die erste, die sich in Deutschland explizit mit dem AOA befasst, schreiben die Autoren. Sie beruht auf Daten der bundesweiten bevölkerungsbezogenen Kohortenstudie NAKO, die zur Halbzeit dieser Erhebung mit 101.723 Teilnehmern im Alter zwischen 20 und 69 Jahren, die von 2014 bis 2017 an 18 Studienzentren gewonnen wurden. In persönlichen Interviews wurde gefragt, ob bei ihnen jemals ein Asthma bronchiale diagnostiziert wurde, in welchem Alter dies geschah, und ob sie in den letzten 12 Monaten deshalb ärztlich behandelt wurden. Außerdem erfolgte ein Vergleich mit den Daten der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS), einer Erhebung aus den Jahren 2008 – 2011 mit 7896 Personen zwischen 18 und 79 Jahren.

Ergebnisse

  • Unter den auswertbaren 101.284 Personen gaben 7,9 % an, dass bei ihnen im Laufe des Lebens Asthma von einem Arzt diagnostiziert wurde. Bei Frauen war dies mit 8,7 % etwas häufiger der Fall als bei Männern (7,0 %). Die Zahlen sind nahe bei denen der DEGS-Studie, die 9,5 % bei Frauen und 6,8 % bei Männern ermittelt hatte.
  • Auffällig war, dass in beiden Studien in höheren Altersklassen Frauen häufiger momentan in Behandlung waren, als Männer (4,7 versus 3,3 % in der NAKO-Studie und 4,0 versus 1,7 % in der DEGS-Studie).
  • 51,1 % (n = 4107) der Asthma-Patienten gaben an, in den letzten 12 Monaten behandelt worden zu sein.
  • Stratifiziert nach Geburtsjahrgängen waren Asthmadiagnosen bei den Jüngsten (1990 – 1999) mit 10,4 % am häufigsten, bei den Ältesten (1940 – 1949) am Seltensten. „Der Anstieg bei den kumulativen Asthmadiagnosen ist damit bei den jüngeren Geburtsjahrgängen deutlich steiler“, folgern die Autoren.

Bedeutung

Die NAKO-Studie liefert eine detaillierte Momentaufnahme des Asthmageschehens bei Erwachsenen in Deutschland. Die Daten sind weitgehend konsistent mit jenen der vorangegangenen DEGS-Studie. Ob der gemessene Anstieg real ist oder auf eine verbesserte Diagnostik zurückzuführen, ist jedoch unklar. Neben weiteren Faktoren könnte auch die schwierige Unterscheidung zwischen Asthma und COPD bei Älteren das Ergebnis verzerren. Schließlich sind auch die vergleichsweise niedrigen Response-Raten bei NAKO (10 – 30 %) und DEGS (42 %) ein Schwachpunkt dieser Untersuchung.

Finanzierung: Die Daten der Veröffentlichung beruhen auf der NAKO Gesundheitsstudie, diese wiederum wurde gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Bundesländer und die Helmholtz-Gemeinschaft.