Jeder siebzehnte Erwachsene in Deutschland leidet unter Asthma


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Prävalenz des Asthma bronchiale in Deutschland ist bei Erwachsenen von 4,3 % im Jahr 2009 auf 5,9 % im Jahr 2016 angestiegen. Für Kinder und Jugendliche ist sie wahrscheinlich aber niedriger als bisher gedacht. Regional gibt es große Unterschiede, mit tendenziell höheren Zahlen im (nord)westlichen Teil Deutschlands.

Hintergrund

Zuverlässige Zahlen sind essentiell für die Planung des Bedarfs und der Versorgung, für die Evaluation von Interventionsmaßnahmen und für die Ursachenforschung - das gilt auch für Asthma.

Design

Anhand der bundesweiten vertragsärztlichen Abrechnungsdaten für die Jahre 2009 bis 2016 wurde versucht, die aktuelle Diagnoseprävalenz und -inzidenz des Asthmas sowohl bei Erwachsenen, als auch bei Kindern und Jugendlichen zu erfassen. Die Daten umfassen etwa 87 % der Gesamtbevölkerung. Eingeschlossen wurden Patienten, die in mindestens 2 Quartalen eines Kalenderjahres die ICD-10-Klassifikation Code J45.- „Asthma bronchiale“ erhalten hatten.  Die Einjahres-Diagnoseprävalenz war definiert als der Anteil der Asthma-Patienten an allen Versicherten, die mindestens einmal im jeweiligen Kalenderjahr vertragsärztliche Leistungen in Anspruch genommen hatten. Die Inzidenz wurde mittels Kaplan-Meier-Analyse geschätzt.

Hauptergebnisse

  • Im Jahr 2016 lag die Diagnoseprävalenz des Asthma bronchiale bei 5,73 %. Sie war bei Erwachsenen mit 5,9 % geringfügig höher als bei Kindern und Jugendlichen (5,1 %).
  • Die Zahlen der Forscher bestätigen, was bereits aus der Literatur bekannt war: Bei Jungen ist die Diagnoseprävalenz deutlich höher als bei Mädchen, gleicht sich dann aber im jungen Erwachsenenalter an, bis das Verhältnis sich etwa ab dem 35 Lebensjahr umdreht.
  • Zwischen den Jahren 2009 und 2016 hat die Prävalenz bei Erwachsenen von 4,3 % auf 5,9 % zugenommen.
  • Die Prävalenz variiert stark zwischen den Regionen, mit einer Spannbreite von 3,0 % bis 8,9 %.
  • Signifikante Cluster mit besonders hohen Prävalenzraten fanden sich in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Thüringen, wogegen Cluster mit niedrigeren Prävalenzen in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern beobachtet wurden.
  • Die Inzidenzrate betrug 6,2 Neuerkrankungen / 1000 Personen und war erhöht in kreisfreien Städten sowie in den alten Bundesländern.

Klinische Bedeutung

Erstmals wurde hier die regionale Diagnoseprävalenz und -Inzidenz von Asthma deutschlandweit, flächendeckend und in hoher Auflösung ermittelt. Auffällig ist, dass die Prävalenz bei Kindern und Jugendlichen deutlich niedriger ist als in früheren Untersuchungen und nun unter der von Erwachsenen liegt. Die Autoren erklären dies durch unterschiedliche methodische Ansätze und halten die eigene Studie für solider. Die Gründe für die beobachteten regionalen Variationen könne man zwar diskutieren, mit den neuen Daten aber nicht weiter eingrenzen, sodass zukünftige Studien mit entsprechenden Designs angezeigt seien.

Finanzierung: Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi).